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Obacht beim Befolgen der vexillologischen Regeln

Vexillologie (von Lateinisch vexillum, die Fahne) heisst die Flaggenkunde im Fachjargon, sie entstand aus einem Teilgebiet der Wappenkunde. Vexillologen heissen die Leute, die sich damit befassen, Vexillografen sind jene, die neue Fahnen designen.

Das alles braucht Winterthurs Stadtschreiber Arthur Frauenfelder an sich nicht zu interessieren, denn er ist Jurist und hat hundert andere Aufgaben. Und doch hat er es hin und wieder auch mit Fahnenfragestellungen zu tun. Wann wird was wo beflaggt? Wie ist die korrekte Platzierung von mehreren Flaggen nebeneinander? Wie verhindert man, dass plötzlich die Rückseite einer Flagge sichtbar ist – wie kürzlich beim stadträtlichen Abschiedsapéro? Oder: Wie kommt es, dass die Kantonsflagge plötzlich kopfüber hängt, wie vor einigen Jahren bei einer Jungbürgerfeier?

Solche Fehler können passieren – selbst dann, wenn eine Stadt ein Beflaggungsreglement hat. Winterthur hat keines, wie Stadtschreiber Frauenfelder sagt, sondern lediglich ein Bündel von Stadtratsbeschlüssen und -notizen. Darin wurde das Wesentliche vor 20 Jahren festgehalten, auf vier Seiten. Zürich hingegen hat ein detailliertes Beflaggungsreglement mit 72 Seiten. Aber schliesslich muss Zürich mit seiner Beflaggungspolitik auch noch 26 Zünfte zufriedenstellen.

Fahne ist nicht gleich Flagge

Zuerst erläutert das Reglement die Begriffe. Fahnen und Flaggen werden gehisst und eingeholt, keinesfalls aufgehängt und eingerollt. Dann gilt es, zwischen Fahne und Flagge zu unterscheiden. Die Fahne ist oft etwas Kostbares, nicht selten ein unersetzliches Unikat, das «mit Fahnenstange oder Mast direkt und fest verbunden» ist. Die viel kommunere Flagge ist dagegen ein Fetzen, «ein industriell hergestelltes Stück Stoff von geringem materiellen Wert, das mit einer beweglichen Leine am Mast gehisst wird und nach Bedarf ersetzt werden kann, w enn es unansehnlich geworden ist».

In Winterthur werden vor allem am 1. Mai, am Albanifest und am 1. August die Flaggen gehisst, an öffentlichen Gebäuden, auf Bussen und entlang der Strassen. Daneben kommen auch wichtige Turn-, Schiess-, Jodel- und andere Feste zu Flaggenehren. Nicht aber die Musikfestwochen. Was auffällt und manche als Zeichen der Abgrenzung verstehen: Selten sind die Zürcher Farben dabei, meist ist alles nur weiss-rot beflaggt. Solange sich die offizielle Hauptstadt nicht beschwert, macht Winterthur als heimlicher Hauptort rot-weiss weiter. (mgm)

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