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Obama will kein Lösegeld zahlen

Die USA haben es vor der Enthauptung James Foleys abgelehnt, Lösegeld an die IS-Geiselnehmer zu zahlen. Ein topgeheimer Versuch, den Reporter zu befreien, scheiterte.

Mehrere Dutzend US-Spezialstreitkräfte landeten im Frühsommer im Norden Syriens zu einer hochbrisanten Mission. US-Präsident Barack Obama hatte der Delta Force den Auftrag erteilt, internationale Geiseln aus der Hand der Extremisten des Islamischen Staats (IS) zu befreien. Darunter auch der Amerikaner James Foley (40), der aus dem Bürgerkriegsland berichtete. Die Berater des Präsidenten dachten, hinreichend zuverlässige Informationen über den Aufenthaltsort der Gefangenen zu haben – eine Ölraffinerie in einer spärlich besiedelten Region. Darüber hinaus bestand die wachsende Sorge, die Extremisten könnten mit ihrer Drohung Ernst machen, ihre Geiseln nach und nach zu ermorden.

Aus Prinzip kein Lösegeld

Als die Angehörigen der Delta Force aus dem Hubschrauber sprangen, wussten ausserhalb der Regierung nur die Angehörigen von dem Rettungsversuch. Die Spezialstreitkräfte drangen nach einem Feuergefecht zu dem mutmasslichen Versteck vor. Sie fanden Waffen und Dokumente, alles Mögliche, nur keine Geiseln. «Wir haben keine Ahnung, warum sie nicht mehr da waren», räumt ein hoher Regierungsmitarbeiter ein. «Wir kamen zu spät.» Aufgrund der Informationslage könne es sich höchstens um «einen oder zwei Tage» gehandelt haben. Während europäische Regierungen regelmässig Lösegeld an Terrorgruppen zahlten, lehnt Washington dies aus Prinzip ab. So auch für Foley, dessen Entführer nach Angaben der Familie einhundert Millionen Euro erpressen wollten. «Das brächte nur noch mehr Amerikaner in Gefahr», heisst es im Umfeld des Präsidenten. Dass die Regierung nun das Delta-Geheimkommando in Syrien öffentlich macht, möchte das Weisse Haus als Warnung an den IS verstanden wissen.

Obama will Härte zeigen

Obama selbst verurteilte die brutale Enthauptung Foleys. Für die «nihilistischen» Extremisten und deren Anhänger dürfe es im 21.Jahrhundert keinen Platz geben. Der US-Präsident forderte eine gemeinsame Anstrengung in der Region, «diesen Krebs herauszuschneiden, bevor er sich weiter verbreitet». Statt den Forderungen der IS-Terroristen nachzugeben, die mindestens drei weitere Amerikaner gefangen halten und mit der Enthauptung einer weiteren Geisel gedroht hatten, kündigte der Präsident unnachgiebige Härte an. Kurz darauf teilte das Central Command mit, die Air Force habe vierzehn Luftangriffe auf Ziele des Islamischen Staats geflogen, die meisten davon auf Stellungen nahe einem strategisch wichtigen Staudamm im Norden des Irak. Unklar blieb, ob Obama die Militärkampagne unmittelbar ausweiten wollte. Bisher blieb diese auf ausgewählte Ziele im Irak beschränkt. Angriffe auf den Islamischen Staat in Syrien gelten offiziell als Tabu, das nach Einschätzung von Analysten mit dem topgeheimen Delta-Einsatz erstmals gebrochen wurde.

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