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Obergericht verringert Erbs Strafe

Der ehemalige Wirtschaftsführer Rolf Erb muss sieben statt acht Jahre ins Gefängnis und verliert sein Schloss. Die Staatsanwaltschaft ist zufrieden. Erb hält sich für unschuldig – und geht bis vor Bundesgericht.

Der Zürcher Oberrichter Christoph Spiess sprach gestern von einem «sehr schweren Verschulden», als er das Urteil gegen Rolf Erb verkündete. Der einstige Chef der bankrotten Erb-Gruppe habe bei seinen Taten eine «hohe kriminelle Ener­gie­» gezeigt. Die Oberrichter verurteilten den 62-Jährigen zu sieben Jahren Haft abzüglich eines Tages, den er in Untersuchungshaft verbracht hatte – wegen gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung und der Schädigung von Gläubigern. Damit bestätigte das Zürcher Obergericht in den meisten Punkten das Urteil des Winterthurer Bezirksgerichts. Allerdings setzte es die Haftstrafe von acht auf sieben Jahre herab. Der Vorsitzende Oberrichter Spiess begründete den Entscheid mit der Dauer des Strafverfahrens und mit dem kranken Herzen des Beschuldigten. Dieser hatte während der Verhandlungswoche im vergangenen September seine Unschuld beteuert. Sein Anwalt, der bekannte Wirtschaftsverteidiger Lorenz Erni, verlangte deshalb einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hingegen forderte zehn Jahre Haft. Erb kassierte nicht nur sieben Jahre Gefängnis. Seine Familie verliert auch mehrere Häuser, die sich noch in ihrem Besitz befinden – gute zehn Jahre nach dem Konkurs der Firma und Jahre nach Erbs Privatkonkurs. Erb muss Pass abgeben Die Oberrichter entschieden zum Beispiel, dass ihm sein Wohnsitz Schloss Eugensberg in Salenstein ebenso entzogen werden soll wie das Zen­trum Töss und die Villa Wolfensberg oberhalb von Veltheim. All diese Liegenschaften überschrieb Erb 2003, kurz vor dem Einsturz der Firma, seinen Zwillingssöhnen. Diese waren damals einige Monate alt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Erbs Anwalt kündigte gestern den Weiterzug ans Bundesgericht an. Ebenfalls abgeben muss Erb seinen Pass und sämtliche Ausweise. Dafür hat er Zeit bis morgen, sonst wird er verhaftet. Diesen Entscheid fällte das Gericht wegen eines Antrags der Staatsanwaltschaft auf Sicherheitshaft. Diese befürchtet, dass Erb fliehen könnte. Für den Strafrechtsexperten Peter Cosandey liegt diese Befürchtung auf der Hand: «Wenn jemand so lange ins Gefängnis muss, ist zu erwarten, dass er vieles macht, um dem zu entgehen.»

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