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Ölförderung: USA bald vor Saudi-Arabien

Williston. Die USA könnten bereits 2020 Saudi-Arabien als grössten Ölproduzenten überholen. Der Öl- und Gasboom in den USA hat auch geostrategische Konsequenzen.

Rich Vestal weiss, wie rasantes Wachstum aussieht. Hinter dem Steuerknüppel seiner roten Turboprob entdeckt er aus der Luft immer neue Bohrtürme, die wie Pilze aus der weiten Prärie spriessen. «Mitte der 80er-Jahre gab es hier drei Pumpen», erinnert er sich an die Si­tua­tion, als Bisonherden in die entvölkerten Dörfer der Dakotas zurückkehrten. Weil der Ertrag der Bohrlöcher zu bescheiden und die Kosten zu hoch waren, lohnte sich das Geschäft für die Ölproduzenten nicht. Um den Kopf über Wasser zu halten, transportierte der Ölfeldausrüster 15 Jahre lang Kunstdünger aus Kanada.

Geologen wussten auch damals schon um die enormen Ölreserven, die sich drei Kilometer unter der Erde über eine Fläche von rund 65 000 Quadratkilometern erstreckten. Doch niemand hatte eine Ahnung, wie das in Taschen zwischen dem Schiefer eingeschlossene Öl des «Bakken»-Felds zum Sprudeln gebracht werden konnte.

Das änderte sich, als der Texaner Jim Henry 2003 mit einem neuen Verfahren experimentierte, bei dem er mehrere Millionen Liter Wasser, vermischt mit Sand und Chemikalien, unter Hochdruck in ein Bohrloch presste. Unter dem enormen Druck brachen die Gesteinsformationen auf und setzten Öl und Gas frei. Das war die Geburtsstunde des «Hydro-Frackings».

Produktion verfünffacht

Innerhalb der vergangenen fünf Jahre hat sich die Ölproduktion von North Dakota auf rund 570 000 Barrel pro Tag verfünffacht. Das Bakken-Feld allein produziert heute mehr als das Opec-Land Ecuador und trägt wesentlich dazu bei, dass die USA nach Schätzungen der Internationalen Ener­gie­ Agentur (IEA) 2020 Saudi-Arabien als Ölproduzent überholen werden.

«Wir können uns vor Arbeit kaum mehr retten», freut sich Vestal, dessen Unternehmen Red River Supply heute für seine Kunden schon 180 Bohrstellen beliefert. Vor den Toren Willistons zog er neue Werkshallen und Büroräume hoch. Er kaufte zusätzliche Laster und karrt mit einer Flotte von über 50 Fahrzeugen nun Chemikalien und Ölfeldausrüstungen aus allen Teilen der USA an. Seine Umsätze wuchsen in nur drei Jahren um das 14-Fache von 3 auf 42 Millionen US-Dollar.

«Die Chancen, auf Öl zu stossen, sind auf 100 Prozent gestiegen», erklärt Kari Bjerke vom North Dakota Petroleum Council, in dem sich die Ölindus- trie organisiert hat, den umwälzenden Durchbruch in der Branche. Dank Hydro-Fracking gibt es keine «trockenen Bohrlöcher» mehr. Dasselbe gilt für die Erdgasproduktion. Mit einem Anteil von 37 Prozent am Weltmarkt haben die Amerikaner inzwischen Russland als grössten Gasproduzenten überholt.

Die IEA sieht über die kommenden Jahre eine neue Ener­gie­karte der Welt entstehen, auf der sich Nordamerika aus der Abhängigkeit von Öl aus dem Nahen Osten befreit hat. Schon heute importieren die USA aus der Krisenregion nur noch 20 Prozent ihres Bedarfs. China dagegen bereits die Hälfte und 2020 dann mehr als 75 Prozent.

Experten sagen geostrategische Konsequenzen für die US-Politik voraus. Die Bedeutung des Nahen Ostens für die Amerikaner nimmt rapide ab, während China und Europa einen grösseren Teil der Lasten schultern müssen. In den USA selbst hilft der Ener­gie­-reichtum der einheimischen Wirtschaft. Experte Daniel Yergin rechnet allein in der Öl- und Gasindustrie mit der Schaffung von bis zu drei Millionen neuen Arbeitsplätzen.

Rick Vestal von Red River Supply hält das für «absolut realistisch». Sein eigenes Unternehmen wuchs innerhalb der letzten drei Jahre von 20 auf heute mehr als 100 Mitarbeiter. «Früher kannte ich einmal jeden, der für mich gearbeitet hat, und deren Familien», meint der geschäftstüchtige Unternehmer zum Wachstum in seinem Unternehmen. «Jetzt kommen Leute durch mein Büro, die hier angestellt sind, die ich aber noch nie gesehen habe.»

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