Zum Hauptinhalt springen

Österreich tischt uns Käse auf

Die Österreicher und ihr Käse, das ist so eine Sache. Am Ursprung der Zweifel steht eine Alp weit hinten in einem Tal im Vorarlberg. Der höchste Feiertag der Älpler stand bevor, und die meisten konnten vor lauter Freude schon am frühen Abend nicht mehr gerade gehen. Am nächsten Morgen setzte uns die von den Ausschweifungen gezeichnete Sennerin einen frischen Sauerkäse vor. «Sura Kees» nannte sie ihn, er helfe gegen den Kater. Und recht hatte sie – ihr Käse roch derart penetrant nach Ammoniak, dass alle anderen Leiden umgehend zur Nebensache wurden. Die Episode ist fast vergessen, als wir im «Thalegg» in Kempt­thal die Speisekarte aufschlagen. Peter Klein, ein Deutscher mit bayrischen Wurzeln, hat den Landgasthof im Sommer neu eröffnet und setzt seither in der gemütlichen Stube auf alpen­ländische Küche. Herbstzeit ist bei ihm Knödelzeit, deshalb steht ein seltsames Wort auf der Karte: «Kaspressknödel». Kaspress? Die äusserst hilfsbereite Bedienung erweist sich als geduldige Fremdenführerin: «Kas» sei Käse, in diesem Fall halt gepresster. Das schauerliche Detail, das sie unerwähnt lässt: Im Vorarlberg machen sie diese Knödel mit dem «Sura Kees». Doch wir haben Glück. Der Küchenchef ist nicht Vorarlberger, sondern Steirer, und die Knödel (Fr. 21.80) erweisen sich als tadellose, herzhafte Mahlzeit. In Form und Konsistenz könnten sie glatt als vegetarisches Hamburger-Generikum durchgehen, im Geschmack sind sie unaufdringlich. Die grosse Überraschung ist das dazu servierte Weinkraut. Wer meint, unsere Nachbarn könnten Kohl nur zu Sauerkraut verarbeiten, wird eines Besseren belehrt. Dieses Kraut ist süss, hat eine Karamellnote und schmeckt wunderbar zum Käse. Dazu passt ein Weissbier aus der Klosterbrauerei Andechs. Tipptopp ist auch das Schweizer Rahmschnitzel, das die Küche auf Wunsch der Gäste in transalpiner Verbrüderung mit einem Semmelknödel statt den obligaten Nüdeli ergänzt (24.80). Nur die Zwetschgenknödel (11.90) zum Dessert überzeugen unsere Gaumen nicht ganz. Fast gar nicht gezuckert, schmecken sie wie Kartoffelgnocchi mit Kompott. Aber den Gesamteindruck stört das nicht: So viel aufrichtige Gemütlichkeit hätten wir im verschupften Kemptthal nicht erwartet. Landgasthof Thalegg Pfäffikerstrasse 27, Kemptthal Mo–Sa offen bis 23 Uhr, So bis 22 Uhr

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch