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Österreichische Hilfe

BERN. Rudi Huber wird im Schweizer Skiverband Alpin-Chef, Walter Hlebayna Cheftrainer der Männer.

Swiss-Ski ist bei seiner langen Suche nach Führungspersonal ausgerechnet in Österreich fündig geworden. Per 1. April übernehmen Rudi Huber als Alpin-Chef und Walter Hlebayna, der Nachfolger von Osi Inglin als verantwortlicher Trainer bei den Männern. Keine Rückkehr zu Swiss-Ski, wo er von 2003 bis 2006 als Chef Leistungssport tätig war, gibt es damit ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Sotschi für den Bündner Gian Gilli. Der Missionschef von Swiss Olympic war in den letzten Tagen von verschiedenen Medien als Alpin-Chef ins Spiel gebracht worden und hatte auch selbst Interesse an der Aufgabe bekundet. Die grosse Frage, die sich bei dieser Lösung gestellt hätte, wäre indes gewesen, ob sich die zwei ausgeprägten Führungspersönlichkeiten Gilli und Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann auch gut verstanden hätten.

Lehmann ist überzeugt, mit Rudi Huber und Walter Hlebayna «zwei ausgewiesene Fachkräfte verpflichtet zu haben, mit denen wir das Fernziel WM 2017 in St. Moritz ansteuern wollen. Bis dahin wollen wir ein starkes Team am Start haben, das um die Medaillen kämpft.» Der zuletzt immer stärker in die Kritik geratene Verbandspräsident spricht von «grossen Herausforderungen», die auf das österreichische Duo warten.

Erstes Gespräch bei der WM

Eine erste Kontaktaufnahme von Swiss-Ski mit Rudi Huber fand schon an den Weltmeisterschaften in Schladming statt. Der 50-jährige Salzburger, der einst selber Weltcuprennen bestritten und mehrere Top-Ten-Rangierungen erreicht hat, kennt den Skirennsport von Grund auf und ist bestens vernetzt. Bis letzten Sommer war Huber während zwölf Jahren beim Skihersteller Atomic als Rennsportleiter angestellt. In dieser Zeit feierte er mit den Gesamtweltcupsiegern Hermann Maier, Stephan Eberharter, Benjamin Raich, Aksel Lund Svindal, Carlo Janka und Marcel Hirscher und vielen weiteren Fahrern unzählige Triumphe. Huber absolvierte in Österreich nach Ende seiner Aktivkarriere die staatliche Ausbildung zum Skilehrer und gründete in seinem Geburts- und Wohnort Wagrain eine Skischule.

Als Alpin-Chef soll Huber nun bei Swiss-Ski für den roten Faden in der Ausbildung der Sportler und Trainer sorgen. Ausserdem soll der Salzburger auch die «Athleten-Pipeline» sicherstellen – zu viele Nachwuchstalente schaffen in der Schweiz den Sprung an die Weltspitze nicht. Das Hauptaugenmerk gilt zu Beginn seiner Tätigkeit dem alpinen Männer-Team, das die schlechteste Saison seit Einführung hinter sich hat. Huber soll dafür sorgen, dass das wichtigste Team von Swiss-Ski so schnell wie nur möglich wieder Erfolge feiern kann.

Parallel dazu soll er auch beim Frauen-Team, das von seinem Landsmann Hans Flatscher geführt wird, unterstützend wirken und sich bei Themen der Nachwuchsförderung engagieren. Um möglichst schnell einen vertieften Einblick in das Schweizer Sportsystem zu erhalten, will Huber «einen Beirat mit Experten ins Leben rufen, der mich unterstützt und mit dem ich mich in sportlichen Fragen austauschen kann».

Wunschtrainer Hlebayna

Die Besetzung des Cheftrainerpostens bei den Männern tätigte bereits Rudi Huber, der mit Walter Hlebayna seinen Wunschtrainer auf den Posten hievte. Der 47-jährige Vorarlberger betreute zuletzt während dreier Saisons das österreichische Männer-Team im Europacup. Zuvor hatte er sich jeweils mehrere Jahre um die deutschen Speedfahrer sowie die ÖSV-Abfahrerinnen um «Speed-Queen» Renate Götschl gekümmert. Seine Trainerkarriere startete Hlebayna in den Achtzigerjahren mit Tätigkeiten in verschiedenen österreichischen Landesverbänden.

Hlebayna weiss, dass er zwar eine «interessante Aufgabe» übernehmen, aber keine lange Anlaufphase zugestanden erhalten wird: «Die nächsten Tage und Wochen werden davon geprägt sein, viele Gespräche zu führen um das Team so aufzustellen, dass sich Athleten und Betreuer in einem optimalen Umfeld vorwärtsbewegen können.» Wahrscheinlich ist, dass nicht nur über Gruppenzusammenstellungen und Kaderzugehörigkeit diskutiert, sondern schon hinsichtlich der kommenden Olympiasaison auch über Umbesetzungen im Trainerbereich gesprochen werden wird. Im Zen­trum dieser Diskussionen dürften dabei die zwei Männer-Gruppentrainer Roland Platzer (Speed) und Sepp Brunner (Technik) stehen.

Ob die Swiss-Ski-Führungscrew und insbesondere der zuletzt stark operativ tätige Präsident Urs Lehmann mit der Wahl von Huber und Hlebayna dauerhaft aus dem Fokus der Kritiker verschwinden, darf bezweifelt werden. Mit dem neuen Duo sowie dem seit Frühling 2012 amtierenden Flatscher sind nun gleich alle drei Top-Positionen im alpinen Bereich von Swiss-Ski mit Österreichern besetzt. Die Vorstellung, dass die einst stolze Skination Schweiz zu «Österreich 2» verkommt, gefällt auf Dauer längst nicht allen – unabhängig vom sportlichen Erfolg.

Eine Kaderposition harrt bei Swiss-Ski noch der Neubesetzung. Noch ist nicht klar, wer Nachfolger von Direktor Andreas Wenger wird, der vor einigen Wochen gekündigt hat. Diese Personalie ist allerdings um einiges weniger dringlich als die nun endlich erfolgte Besetzung des Alpin-Chefs und Männer-Cheftrainers. (si)

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