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Ohne Polizei und Provokationen

Rund 300 Winterthurer nahmen am Samstagabend an einer von Jungsozialisten, AL und Unia organisierten Kundgebung gegen den Polizeieinsatz an der Tanzdemo vor drei Wochen teil. Der Anlass verlief friedlich, die Polizei war im Stadtzentrum nicht zu sehen.

Die von jungen Winterthurerinnen und Winterthurern auf dem Neumarkt organisierte und von der Stadtpolizei bewilligte Kundgebung «Freiräume statt Albträume» verlief wie vorgesehen. Mitten in der Stadt und mitten im Geschehen eines normalen Samstagabends versammelten sich ab 18 Uhr um die 300 junge Erwachsene. Mit ihrer Teilnahme nahmen sie Stellung gegen den Polizeieinsatz an der unbewilligten Tanzdemo vom 21. September, bei dem es über 10 Verletzte gegeben hatte und zu 93 Verhaftungen gekommen war. Polizisten und Gitter standen auf dem Neumarkt keine bereit. Der Platz war lediglich mit einigen Fahrverbotstafeln und -schranken abgesperrt worden und für Dritte jederzeit frei zugänglich. Von den Kundgebungsteilnehmern versammelte sich rund die Hälfte vor der mobilen Bühne, andere standen und sassen in Gruppen weiter verstreut herum, diskutierten und tranken Bier und Glühwein. Gegen die zunehmende Kälte half auch Bewegung zum Wortgesang des Rapper Faese und zur Musik der Winterthurer Bands Calliope und Useless. Als Bühne diente die mit Lautsprechern und Beleuchtung versehene Ladefläche eines Lieferwagens. Auf einem Bahnposthandwagen wurden Bier, Glühwein und Mineral verkauft und in einer Blechdose Geld gesammelt. Es soll der jungen Frau zugute kommen, die an der Tanzdemo vom Gummischrot der Polizei schwer am Auge verletzt worden war. Rücktritte gefordert In ihren Reden forderten die Mitorganisatoren der Kundgebung Paul Maetschke (Präsident Unia Jugend Winterthur), Nyima Tsering (Juso-Präsident) und Manuel Sahli (AL Winterthur) die Rücktritte von Polizeivorsteherin Barbara Günthard-Maier (FDP) und Polizeichef Fritz Lehmann. Diese seien verantwortlich für den unnötigen und überharten Polizeieinsatz an der Tanzdemo und müssten ihre Ämter sofort abgeben. «Barbara Günthard-Maier», sprach Maetschke vor – und ein grosser Teil der Demonstranten antwortete mit: «Raus.» Nötig sei überdies eine «externe und lückenlose Aufklärung» des Polizeieinsatzes auf dem Bahnhofplatz und dem Archareal. Für die Zukunft wurde von der Stadt die Aufhebung des Bewilligungsverfahrens für Jugendveranstaltungen verlangt. Gerade Jugendliche könnten sich die Bewilligungsgebühren nicht leisten, wurde argumentiert. Ordnungsdienst ohne Arbeit Im Vorfeld und während der Kundgebung kam es im Stadtzentrum zu keinen aussergewöhnlichen Vorkommnissen. Zu Beginn der Veranstaltung hatten die Organisatoren dar­auf aufmerksam gemacht, dass sie für die ordnungsgemässe Durchführung verantwortlich seien. Sie riefen die Teilnehmer dazu auf, «zu feiern und zu fordern, aber sich ruhig zu verhalten». Für die Dauer der Kundgebung bestellten die Organisatoren laut Juso-Präsident Tsering wie ­vorgeschrieben einen Ordnungsdienst. Einige Beteiligte mit Erfahrung als Demonstrationshelfer seien für einen reibungslosen Ablauf besorgt. Aktiv einzugreifen brauchten die Helfer aber nie. Um genau 22 Uhr beendete Tsering die Kundgebung und die Organisatoren begannen Bühne und Verkaufsstelle abzuräumen und den herumliegenden Abfall zusammenzulesen. Polizisten in Uniform waren im Stadtzentrum keine zu sehen. Auch in der näheren Umgebung waren keine Einsatzkräfte auszumachen. Mehrere Polizisten in Zivil waren aber zeitweise auf dem Neumarkt präsent. Gemäss den Organisatoren wurde die Kundgebung auch aus der angrenzenden städtischen Liegenschaft «Königshof» überwacht. Nachdem dies den Teilnehmern mitgeteilt worden war, winkten sie zu den dunklen Fenstern hinauf. Dar­über hinaus blieben Provokationen aus, sieht man von einigen Feuerwerksraketen ab, die vermutlich von der nahen Strehlgasse aus in den Himmel stiegen.

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