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Opernsängerin Lisa Della Casa gestorben

Die Schweizer Sopranistin Lisa Della Casa ist tot. Die Sängerin starb am Montag mit 93 Jahren in Münsterlingen am Bodensee, wie die Wiener Staatsoper am Dienstag mitteilte.

Staatsoperndirektor Dominique Meyer würdigte Della Casa als herausragende Strauss- und Mozart-Interpretin. Die Kammersängerin lebte seit den 70er Jahren zurückgezogen in ihrem Schloss in Gottlieben TG und mied die Öffentlichkeit. Della Casa, am 2. Februar 1919 in Burgdorf BE geboren, begann mit 14 Jahren eine Gesangsausbildung und debütierte in Puccinis "Madama Butterfly" am Städtebundtheater Biel Solothurn. Ihre internationale Karriere startete sie 1947 als Zdenka in der Oper "Arabella" von Richard Strauss bei den Salzburger Festspielen. Es folgten Auftritte an der Metropolitan Opera in New York, der Mailänder Scala, der Bayerischen Staatsoper, dem Londoner Royal Opera House und zuletzt 26 Jahre lang an der Wiener Staatsoper, wo sie auch zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Als Kind wollte Lisa Della Casa Säuglingsschwester werden. Doch ihr Vater, der Burgdorfer Augenarzt und Theatermacher Francesco Roberto Della Casa, vermittelte ihr die Freude an der Kunst. Nach einem Opernbesuch beschloss die Neunjährige, Sängerin zu werden. Ihre Gesangslehrerin Margarete Haeser, die die 14-jährige Lisa unter ihre Fittiche nahm, verlangte von dem jungen Talent, sich dem Sängerberuf zu verschreiben. Sie habe nicht die Absicht, das Mädchen für den Hausgebrauch zu schulen. Nach einem Abstecher zum Film - als Vreneli in Leopold Lindtbergs "Füsilier Wipf" - hielt sich Lisa Della Casa an die Vorgabe. Stets betrachtete sie den Gesang als ihren Beruf. Nachdem sie sich 1974 von der Bühne verabschiedete, soll sie auch privat nicht mehr gesungen haben. "Ganz oder gar nicht" war ihr Motto. Ihr Ehemann Dragan Debeljevic sagte, sie habe mit höchsten Masstäben gemessen und mit schwersten Gewichten gewogen. Ihr blendendes Aussehen und ihre glockenrein leuchtende Stimme verzückten das Publikum an allen grossen Opernhäusern der Welt. Furore machte Della Casa mit Mozart-Partien - der Figaro-Gräfin, mit der Donna Anna und der Elvira aus "Don Giovanni" - sowie ihrem Strauss-Repertoire, etwa der Ariadne oder der Capriccio-Gräfin. Als eine der wenigen Sängerinnen verkörperte sie alle vier Frauenpartien aus dem "Rosenkavalier". Ihre Glanzrolle war Richard Strauss' Arabella, die sie über 200 Mal gab und mit der sie auch ihre Karriere beendete. Dabei sang sie die junge Figur auch mit über 50 noch mit jugendlichem Charme und Timbre. "Arabella ist wie mein Leben", sagte sie. Die kokette Arabella, die selbstbewusst den Richtigen auswählt, hätte ihr auf den Leib geschrieben sein können. Der Komponist höchstpersönlich hatte der 27-Jährigen, als er sie als Zdenka hörte, prophezeit: "Die Kleine wird eines Tages DIE Arabella sein." Die Kraft, um ihr anspruchsvolles Arbeitspensum zu bewältigen, schöpfte Lisa Della Casa aus ihrem Familienleben mit Mann und Tochter. Überliefert ist die Anekdote, dass die Sängerin auf die Frage einer Kollegin, was denn eigentlich ihr Mann mache, zur Antwort gab: "Er liebt mich." Ebendieser erzählt, wie seine Ehefrau trotz Erkältungen und Bänderrissen auftrat. Die Anstrengung forderte ihren Tribut. Nach ihrem abrupten Rückzug sagte die Sängerin: "Mein Einsatz war zu gross." (sda)

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