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Originell wie die Appenzeller

Als unkonventioneller Crossover auf keine der üblichen Normen Rücksicht nehmend, hat der Nissan Juke die Schweiz im Handstreich erobert. Noch einen Schritt weiter in die Nische wagen sich die Japaner mit der extrem sportlich abgestimmten Nismo-Version.

Sie hätten ihn Joke taufen können, doch sie einigten sich auf Juke. Die Marketingleute von Nissan sahen ihren Crossover in der hart umkämpften Viermeterklasse nicht als Witz, sondern als ernsthaften Herausforderer, und sie haben recht behalten. Kaum je lagen die Autospezialisten der Medienzunft so falsch wie bei der Beurteilung des Juke. Das bei der Markteinführung im Sommer 2010 wegen seiner ungewöhnlichen Linienführung mit reichlich Kritik bedachte Zwischending zwischen SUV und Sportcoupé hat in der Schweiz auf Anhieb viele Freunde gefunden, ist in der Nissan-Palette schnell auf Platz zwei hinter dem Dauerbrenner Qashqai geklettert und gehört mit fast 2000 Neuimmatrikulationen im Jahr zu den hundert meistverkauften Autos des Landes. Als 2012 im Rahmen des vom Schwyzer Marcel Fässler gewonnenen 24-Stunden-Rennens von Le Mans als Krönung der Modellreihe die extrem sportliche Variante Nismo vorgestellt wurde, wollten die Schreiberlinge nicht länger gegen den Strom schwimmen und schwärmten plötzlich vom mutigen Konzept und von der unkonventionellen Formensprache. Die Powerspritze, das noch agilere Handling und der aufregende Bodykit verwandeln den begehrten Einzelgänger nicht nur beim Ausflug ins Appenzellerland in einen originellen Spassmacher. Mal rauf, mal runter, mal links, mal rechts. Hier fühlt sich der Nissan Juke Nismo im Element. Irgendwie passt er ja auch zum ganz speziellen Menschenschlag dieser Gegend. Bei der Umwandlung zum Nismo nutzte die neu belebte Motorsportabteilung von Nissan ihre reiche Erfahrung in sämtlichen Fahrzeugbereichen. Die Höchstleistung des 1,6-Liter-Turbomotors mit Benzindirekteinspritzung ist auf 200 PS, sein maximales Drehmoment auf 250 Newtonmeter erhöht worden. Dass die Kraft jederzeit auch auf die Strasse gebracht werden kann, ist das Verdienst der straffen Fahrzeugabstimmung und der direkt ansprechenden Lenkung. Wenn er richtig loslegt, schafft der Juke Nismo den Sprint auf Tempo 100 in 7,8 Sekunden und bringt damit manchen in Verlegenheit. Dass mit einer der sportlichen Zweckbestimmung angeglichenen Fahrweise der angepriesene Durchschnittsverbrauch von 6,9 Litern Benzin für 100 Kilometer jedoch deutlich übertroffen wird, spielt in diesem Fahrzeugsegment keine grosse Rolle. Schon der ab 34?400 Franken angebotene Fronttriebler mit Sechsgangschaltgetriebe erfüllt alle Erwartungen. 3400 Franken mehr kostet der Allradler mit CVT-Automatikgetriebe. Die markanten Anpassungen des sonst schon auffälligen Aussenkleides sind weit mehr als optische Gags. Die tiefer gezogenen Stossfänger, die stark modifizierten Seitenschweller, die geänderten Kühllufteinlässe, der wuchtige Heckspoiler reduzieren den Auftrieb an beiden Achsen, und die 18-Zoll-Leichtmetallfelgen mit den breiteren Reifen unter den ausgeweiteten Kotflügeln sorgen für maximale Haftung bei allen Streckenverhältnissen. Äussere Erkennungsmerkmale des Nismo sind die rot lackierten Aussenspiegelklappen und der rote Zierstreifen an der Unterseite der Karosserie. Motorsportliche Gene finden sich auch im pfiffigen Interieur. Die tief ausgeformten Schalensitze mit Wildlederbezug bieten auch in schnellen Kurvenpassagen guten Seitenhalt und tragen ihren Teil zum vergnüglichen Fahrverhalten bei. Die Originalität fordert auch ihren Tribut. Das Platzangebot hinten und das durch das Umklappen dieser Sitze von 251 nur auf 830 Liter erweiterbare Ladevolumen sind alles andere als überragend. Weder das noch das skurrile Gewand und auch nicht der ungewisse Wiederverkaufswert schrecken ab. Wer anders ist als alle andern, findet immer Beachtung. Der Autokauf muss ja auch nicht immer von der Vernunft gesteuert sein. Nissan Juke Nismo 2WD 1.6 Turbo + Kräftiger Benzindirekteinspritzer+ Überzeugende Fahreigenschaften+ Aussergewöhnliche Erscheinung – Kostspielige Aufwertungen– Bescheidener Wiederverkaufswert– Unvernünftiges Fahrzeugkonzept

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