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Ossingen will an seine Grenzen gehen

Zu wissen, wo die eigenen Grenzen liegen, verleiht Sicherheit. Deshalb bietet die AG Prävention in den nächsten Monaten eine Auseinandersetzung mit Grenzerfahrungen an. Jugendliche und Erwachsene sind eingeladen.

Den Bewohnern der Orte Ossingen, Neunforn und Truttikon stehen ungewöhnliche Erlebnisse und Mutproben bevor. Die Arbeitsgruppe Prävention der Gemeinden macht es möglich. «Ich habe das Gefühl, dass sich die Wahrnehmung von Grenzen in den letzten Jahren sehr verändert hat», erklärt der Projektleiter und Schulleiter der Sekundarschule Ossingen, Andy Salzmann. «Eltern trauen sich nicht mehr, Grenzen zu setzen. Jugendliche wollen jedoch Grenzen spüren, Kinder möchten sich in einem definierten Raum aufgehoben fühlen.»

«Grenzen setzen und erfahren»

So war es für die AG Prävention schnell beschlossene Sache, die diesjährige Arbeit unter das Motto «Grenzen setzen und erfahren» zu stellen. Daran arbeiten die politischen Gemeinden, die Primarschulgemeinden und Kirchgemeinden der beiden Dörfer Ossingen und Neunforn, sowie die Sekundarschulgemeinde Ossingen-Truttikon und das Elternforum Ossingen-Truttikon-Neunforn mit. Es sei nicht so, dass konkrete Vorfälle zu dieser Themenwahl geführt hätten, sagt Salzmann. Sicher habe es in der Vergangenheit schon zertrümmerte Veloständer oder bemalte Wände gegeben und keiner sei es gewesen. «Vielmehr haben wir in der AG erkannt, dass sich viele Eltern im Fahrwasser der antiautoritären Erziehung nicht mehr trauen, Grenzen zu setzen, obwohl gerade dies enorm wichtig ist für eine gesunde Entwicklung während der Pubertät. Wir wollen motivieren, den Kindern und Jugendlichen eine klare Führung, eine Leitplanke zu bieten.»

Gesunden Abstand halten

Es geht auch um Grenzen psychischer und physischer Natur. «Wo sind meine Grenzen im Grüezi sagen, wann kommt mir jemand körperlich zu nahe», reflektiert Andy Salzmann. Für Erwachsene organisiert die Fortbildungsschule der Sekundarschule Ossingen-Truttikon einen Selbstverteidigungskurs sowie einen Kochkurs, die beide online buchbar sind. Mit den Schülern wird das Thema an den Präventionstagen erörtert. Am Vortragsabend «Grenzen setzen» für Eltern und Erzieher am 22. April (20 Uhr) im Gemeindehaus Neunforn sollen letztere ermutigt werden, in der Erziehung entsprechend einzuwirken. «Es ist eine strenge Aufgabe», erkennt Salzmann an, «doch man erweist den Jungen sonst einen Bärendienst». Der Referent wird Jürg Mätzener, Sozialpädagoge und Schulsozialarbeiter in Truttikon, sein.

Angst und Ekel überwinden

Den nachhaltigsten Eindruck könnte jedoch der diesjährige Muttertag, der zum Tag der Grenzerfahrungen erklärt wird, hinterlassen. Die Kirche möchte sich nicht nur in der Person von Pfarrerin Johanna Wegmann, mit dem Muttertagsgottesdienst um 18 Uhr einbringen, sondern würde am liebsten den Kirchturm zum Abseilen zur Verfügung stellen. «Theoretisch ist es denkbar, es wird jedoch knifflig, wenn es an den Zifferblättern vorbei geht», räumt Projektleiter Salzmann ein. Als sicher gilt, dass die 40 Meter hohe Schlucht bei der Mühle am Schloss auf einer rund 60 Meter langen Seilbrücke überquert werden kann. Schwindelerregende Höhen sind nur eine der Herausforderungen, auch die Frage, was man noch essen würde oder wie man sich mit verbundenen Augen durchs Dorf bewegt, könnte Ossingen am 10. Mai zu einem wahrhaften Dschungelcamp machen. «Ich hoffe, dass wir nicht das Ziel aus den Augen verlieren, vor lauter Ideen und lustvollen Planungen», räumt Salzmann ein. Für die Organisatoren bedeutet das wohl, sich selbst beim Wort zu nehmen, und sich Grenzen zu setzen.

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