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Ostern: Fülle aus der Leere

Was beschäftigt dich im Blick auf Karfreitag und Ostern? «Die Leere», sagte eine Bekannte. «Ich fürchte, dass ich alleine sein und mich langweilen werde. Ich könnte mich zwar in den Konsum flüchten oder wegfliegen, aber ist es das, wonach ich mich sehne?» Mit wem werde ich Ostern feiern? Dahinter steht die Frage: Wer ist meine Familie? Wer ist mein enges soziales Netz? Mit welchen Menschen kann ich Werte erfahren wie Verständnis und Liebe? Mit wem kann ich Rituale feiern, die mich mit meinen Wurzeln verbinden? Das Entsetzen über die Leere gehört schon zur biblischen Ostergeschichte. Nachdem Jesus gekreuzigt und bestattet worden war, woran an Karfreitag erinnert wird, fanden die Anhänger von Jesus «am dritten Tag», das heisst am Sonntag danach, die Grabkammer leer! Maria Magdalena, die grosse Liebende, war masslos enttäuscht. Sie wollte den Leichnam von Jesus noch schön herrichten. Sie wollte das gelöste, friedvolle Gesicht des Verstorbenen anschauen. Das wäre für sie tröstlich gewesen. Stattdessen war die Grabeshöhle verlassen. Der Bericht vom leeren Grab ist zentral für die Ostergeschichte. Denn die Leere kann auch heilsam sein. Die Konfrontation mit dem leeren Grab schuf die Voraussetzung für eine neue Qualität des Lebens und der Gemeinschaft. Die Evangelien berichten, dass den Trauernden mitten in der leeren Grabkammer Engel erschienen, Lichtwesen. Dass jemand den Ver- ängstigten gut zuredete: «Jesus ist auferstanden! Er lebt! Geht und sagt es euren Freunden!» Kamen diese Stimme und das Licht von aussen oder von innen? Es war jedenfalls eine spirituelle Erfahrung. Diese ist für den, der sie erlebt, real. Auch wenn sie sich nicht durch ein Experiment nachweisen lässt. Die Anhänger von Jesus teilten die Worte, die sie von den Engeln in der Grabkammer vernommen hatten, ihren Freundinnen und Freunden mit. Sie verinnerlichten die helle Botschaft selbst. Sie glaubten. Dieser Glaube war der Anfang einer neuen Bewegung, die Licht ausstrahlte in Not und Verfolgung. Einer Bewegung, die Hoffnung verbreitete in einer Zeit, in der viele den Weltuntergang befürchteten. Der Glaube an die Auferstehung von Jesus war der Anfang der christlichen Gemeinschaft, die sich durch eine besondere Liebe auszeichnete. Wenn man die Leere fürchtet, spürt man andererseits sein Bedürfnis nach Geborgenheit und Liebe. Und so sehnt sich meine Bekannte nach einer Gemeinschaft, in der wir einander erkennen und voneinander erkannt werden. Einer Gemeinschaft, in der wir miteinander Werte vereinbaren, welche Sinn geben und Schicksalsschläge ertragen helfen. Einer Gemeinschaft, in der wir miteinander Riten und Rituale feiern, welche Halt und Heimat geben. Ostern bewusst feiern bedeutet, sich daran zu erinnern, dass die Erfahrung der Leere eine tiefere Erfüllung der Sehnsucht möglich macht. Beim Sonnenaufgang am Ostermorgen kann man sich vergegenwärtigen, dass im Herzen ein Licht aufstrahlen und sich ausbreiten will. Gemeinsam Ostern feiern stiftet eine Gemeinschaft im Sinne von Familie oder Freundschaft und weckt eine Hoffnung, die nicht mehr stirbt. «Leere macht Wasser bergauf steigen und noch manch anderes Wunder», sagte Meister Eckehart, ein Mystiker. An Ostern entsteht aus der Leere eine neue Qualität des Lebens. Ein Leben, das verbunden ist mit dem grossen Ganzen. Ein Leben in Fülle.

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