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Päpstliche Fusswaschung

Rom. Mit dem Besuch in einem Jugendgefängnis, wo er zwölf Insassen die Füsse waschen wird, feiert Papst Franziskus heute die Abendmahlmesse von Gründonnerstag. Demütig bleibt er auch bezüglich seiner Unterkunft.

Im Vatikan werden weiter munter Traditionen über Bord geworfen. Statt wie bisher üblich, wird der Papst heute die Abendmahlmesse nicht in der Römer Lateranbasilika – der Bischofskirche des Papstes in Rom – mit den Kardinälen feiern, sondern im Römer Jugendgefängnis Casal del Marmo in der unansehnlichen nordöstlichen Peripherie der Ewigen Stadt. Bei seinem Besuch wird Franziskus vor zwölf jugendlichen Straffälligen in Demut niederknien und ihnen die Füsse waschen und salben. So hatte es Jorge Mario Bergoglio schon in seiner argentinischen Heimat als Erz­bischof von Buenos Aires gehalten: Am Gründonnerstag wusch er jeweils die Füsse von Aidskranken, Strafgefangenen, Obdachlosen.

Das Motto dazu hat Franziskus gestern bei seiner ersten Generalaudienz auf dem Petersplatz geliefert: «Wenn wir Gott folgen und bei ihm bleiben wollen, dann dürfen wir uns nicht damit begnügen, mit den 99 Schafen auf der Weide zu bleiben. Sondern dann müssen wir hinaustreten, dann müssen wir mit ihm das verlorene Schaf suchen, das am weitesten entfernt ist.» Die Karwoche zu leben: Das bedeute vor allem, aus sich selbst heraus- und auf den anderen zuzugehen, sagte der Papst. Für Franziskus gilt dies nicht nur für die Karwoche. «Aufeinander zugehen», das zeigt sich mit jedem neuen Traditionsbruch und mit jeder Äusserung deutlicher, ist das eigentliche Leitmotiv des neuen Pontifikats.

Kein Umzug in den Palast

Auch bezüglich seiner Unterkunft mag es Franziskus lieber bescheiden, dafür gesellig: Wie Vatikansprecher Federico Lombardi am Dienstag bekannt gab, zieht es den neuen Papst nicht in die prunkvolle 300-Quadratmeter-Wohnung im Apostolischen Palast, in welchem seine Vorgänger wohnten. Er wolle im Vatikan-Gästehaus Domus Sanctae Marthae bleiben – «zumindest bis auf Weiteres». In dem unter Johannes Paul II. erbauten, schmucklosen Neubau hinter dem Petersdom werden während des Konklaves jeweils die Kardinäle untergebracht; normalerweise wohnen dort etwa fünfzig Priester, Kurienangestellte und anderes vatikanisches Personal. Bergoglio war beim Konklave das Zimmer 207 zugelost worden; nach seiner Wahl zog er in die für die neu gewählten Päpste reservierte Suite 201 im zweiten Stock.

Der Ausdruck «Suite» bezieht sich freilich nur auf die Fläche, nicht auf den Komfort. Es handelt sich um eine 90 Quadratmeter grosse 3-Zimmer-Wohnung ohne Küche. Gegessen wird im Domus Sanctae Marthae – das eher eine Wohngemeinschaft ist als ein Gästehaus – in der Mensa: Franziskus frühstückt zusammen mit den nach dem Konklave zurückgekehrten ständigen Bewohnern. Er hatte dafür gesorgt, dass sie bei ihrer Rückkehr ein Schokolade-Osterei mit seinem neuen Papstwappen in ihrem Zimmer vorfanden. Wenn ihn nicht Termine daran hindern, dann nimmt Franziskus auch das Mittag- und Abendessen in der Mensa ein. «Ich stand schon als Bischof meinen Priestern nahe, und auch hier fühle ich mich wohl in dieser priesterlichen Gemeinschaft», hat Franziskus laut dem «Corriere della Sera» dem vatikanischen Quartiermeister beschieden.

Morgens um sieben Uhr liest der 76-jährige Papst in der Kapelle des Gästehauses jeweils eine Messe. Sie ist in der Regel gut besucht: Ausser den Mitbewohnern der Martha-WG lassen sich auch die vatikanischen Gärtner, Boten, Strassenkehrer und die Redaktoren der Vatikan-Zeitung «L’Osservatore Romano» die Papst-Frühmesse nicht entgehen. Das Appartement im Apostolischen Palast nutzt Franziskus nur für Audienzen – und um sich am Sonntag jeweils beim Angelus-Gebet am Fenster des päpstlichen Arbeitszimmers zu zeigen. Ob und wann Franziskus vielleicht doch noch in den Palast umziehen wird, steht in den Sternen. Sicher nicht heute oder morgen: «Der Papst will eine normale Weise des Zusammenlebens mit anderen ausprobieren», sagte Lombardi.

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