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«Patient wird an den Meistbietenden verkauft»

Spitäler und Fachärzte sollen für die Überweisung von Patienten Geld bezahlt haben. Erstmals hat ein Berner Arzt konkrete Fälle publik gemacht.

Die Standesordnung der Ärzteverbindung FMH ist unmissverständlich: Ärzte dürfen für die Zuweisung von Patienten keine Entschädigung entgegennehmen. Doch einige halten sich offenbar nicht an das Verbot. Daniel Flach, Hausarzt und Geschäftsführer einer Notfallpraxis in Bern, hat als Erster öffentlich die Zahlung von verdeckten Provisionen angeprangert. Wie die «Aargauer Zeitung» gestern berichtete, hat Flach an einem kürzlich durchgeführten Fachkongress konkrete Beispiele genannt. So bezahlte ein Privatspital für jeden überwiesenen Patienten mit Zusatzversicherung 500 Franken an eine Gruppenpraxis. In einem anderen Fall erhielt ein Ärztenetzwerk von einem öffentlichen Spital eine «Aufwandentschädigung» für die Überweisung von sämtlichen Patienten, die sich einer Computer- oder Magnetresonanztomografie unterziehen mussten. In einem dritten Fall verlangte ein Ärztenetzwerk von Orthopäden für jede Überweisung eines Patienten, der operiert werden musste, einen fixen Betrag. Für Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte beim Internetvergleichsdienst Comparis.ch, ist die Entgegennahme von Entschädigungen für die Überweisung von Patienten ein Vertrauensmissbrauch. Der Patient glaube, er werde an den besten Spezialarzt beziehungsweise ans beste Spital überwiesen. «Tatsächlich wird er, ohne es zu wissen, an den Meistbietenden verkauft.» Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will nun prüfen, ob es neue Gesetze oder Verordnungen braucht, um gegen unzulässige Geldgeschenke zwischen Ärzten vorzugehen, wie BAG-Vizedirektor Oliver Peters gegenüber Radio SRF sagte. Alexander von Weymarn, Präsident des Dachverbands der Ärztenetzwerke (Medswiss), äusserte die Vermutung, dass solche Entschädigungen zugenommen haben könnten, seit immer mehr deutsche Ärzte ihren Beruf in der Schweiz ausübten. «Wir haben viele Kollegen aus Deutschland, wo dies durchaus üblich ist.»

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