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Patrick Frey und Co. reissen die Himmel auf

Kleinkunst mit Krokant: «Stille Kracht», das Weihnachts-­Dinner-Spektakel des ­Casinotheaters, vereint viele Artisten zu einem Menü.

Der Himmel über Winterthur hängt voller Unterhosen. Das Casinotheater hat für die Produktion «Stille Kracht», die am Mittwoch Premiere hatte, den Festsaal zum Hinterhof gemacht. Eine Brandmauer steht da auf der Bühne, daneben ein Unterstand, und unter der Decke hängt eben weisse Wäsche. Eine Idee von Madame Fafa und Frau Sturzenegger, sagt Rolf Corver, der wie immer ein jovial-resoluter Herr Bitterli ist. Zum dreizehnten Mal führt das Trio durch den Abend. Ein Fest der Künste Andere schöne Ideen kamen hinzu: Es ist der Stoff, aus dem die Träume für ein Weihnachts-Dinner-Spektakel sind. Das Rezept dazu: Man nehme zur Vorspeise Kürbissuppe mit Krokant; zum Hauptgang rosa gebratenes Kalbsnierstück; zum Dessert Caramel-Halbgefrorenes mit Fleur de sel – und dazu passend: Artistinnen und Artisten, die das Menü des Abends in ihrer Art zum Fest der Künste erweitern. «Stille Kracht» ist mehr als eine Nummernrevue. So wird der ganze Festsaal bespielt. Und manchmal geht es bis unter die Decke ­hinauf. Alle engagierten Artisten haben hier eine eigene Sprache, einen eigenen Ton. Da ist Sprachkünstler Patrick Frey, der aus einem ­Rezept für das Vogelnest-Süss­gebäck ein wahnwitziges Stück macht. Und Hazel Brugger, auch sie eine wunderbare Sprachkünstlerin, die mit einem Wort alles über Tod & Leben und Kleinfamilie sagen kann (das alles lässt sich natürlich noch steigern). Da ist auch Anna Prinz, eine Sandkünstlerin, mit ihr geht es Korn für Korn auf eine zauberhafte Reise. Maxi Schafroth («Faszination Allgäu») und sein Kumpel Markus Schalk besingen dann durch die Bank den Auftritt eines aufgeblasenen Managers. Das Beste aus zwei Welten bringen Esther und Jonas Slanzi in ihren Nummern zusammen, sie am Seil (und manchmal auch Trompete blasend), er, ein Meister des Diabolospiels, auch mit leeren Flaschen, über die er balanciert. Lea Whitcher und Jane Mimford sind zusammen The Whiskey Sisters, Texas singt hier recht swedish – oder was die Texanerinnen, die ja eigentlich aus St. Gallen kommen, für Schwedisch halten. Die Non Silent Crashing Band begleitet durch den Abend und setzt auch selber schräge Akzente. Nicht zuletzt gibt es mit Spicy Circus noch so etwas wie eine Cirque-du-Soleil-Nummer im Saalformat. Die drei Trampolinkünstler aus Kanada lassen sich von der Brandmauer fallen und sausen per Rückwärtssalto wieder hinauf, dass es eine grosse Freude ist. Der Lauf der Dinge Alle Künstlerinnen und Künstler top. Aber nur zusammen funktioniert der Abend. Am Schluss kommen sie auf die Bühne und singen zusammen mit Küchenpersonal und Servierteam ein fröhliches Lied, ihnen allen gilt der Applaus. Zur Veranschaulichung, wie im Casinotheater alles zusammenhängt, wird zum Abschluss noch ein Film eingespielt, er könnte «Der Lauf der Dinge» heissen, ­gäbe es diesen Fischli/Weiss-Titel nicht schon. Jeder Gegenstand wird durch einen anderen bewegt, sodass ein ganzer Zug sich durchs Haus bewegt, immer weiter hinauf, bis in den Festsaal hinauf. Und anstatt Unterhosen im Himmel sehen wir jetzt die Sterne. Stille Kracht Casinotheater ­Winterthur, bis 20. Dezember.

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