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Physik-Nobelpreis: Higgs, Higgs, hurra!

Stockholm. Der Physik-Nobelpreis geht in diesem Jahr an Peter Higgs und François Englert. Sie entdeckten 1964 unabhängig voneinander das Higgs-Teilchen, den letzten Baustein im Modell der Elementarteilchen-Physik.

Fast 50 Jahre nach der Vorhersage des Higgs-Teilchens geht der Physik-Nobelpreis in diesem Jahr an den 84-jährigen Briten Peter Higgs (Bild rechts) und den 80-jährigen Belgier François Englert. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften würdigte die theoretischen und praktischen Forschungen zum Higgs-Boson, dessen Nachweis vor gut einem Jahr vom Teilchenforschungszentrum Cern in Genf erbracht worden war. Als «überwältigt» und «glücklich» bezeichneten sich die beiden Preisträger, als sie von der Auszeichnung erfuhren. Englert und Higgs hatten die Theorie 1964 unabhängig voneinander vorgeschlagen, Englert zusammen mit seinem inzwischen verstorbenen belgischen Kollegen Robert Brout.

Wie eine Art Sirup

Bis anhin galt das nach dem neuen Nobelpreisträger Higgs benannte Teilchen als der letzte fehlende Baustein im bewährten Standardmodell der Elementarteilchen-Physik. Mit dem sogenannten Higgs-Mechanismus erklären Physiker seit 1964, wie die Teilchen – also die Grundbausteine der Materie – ihre Masse erhalten. Dabei gehen die Forscher davon aus, dass die umherfliegenden Elementarteilchen von einem sogenannten Higgs-Feld gebremst werden.Das stellen sich Wissenschaftler wie eine Art Sirup vor: Sämtliche anderen Elementarteilchen fliegen durch diesen Sirup und werden unterschiedlich stark davon gebremst. In dieser Trägheit zeigt sich ihre Masse. Dabei gilt: Je stärker das Elementarteilchen auf das unsichtbare Feld reagiert, umso mehr Masse hat es.

Die Higgs-Teilchen sind quasi die beweglichen Teile dieses Feldes, ähnlich wie Photonen die Teilchen sind, die ein ma- gnetisches Feld bilden. Die Suche nach diesem Teilchen gehört zu den zentralen wis- senschaftlichen Vorhaben im riesigen Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) beim Cern nahe Genf.

Dort war der Jubel gestern gross. Weit über 100 Forscher hatten sich im grossen Foyer des Bürogebäudes am Cern verteilt und verfolgten live die Übertragung der Preisverkündung, die sich gut eine Stunde verzögerte. Auch das Cern gratulierte Englert und Higgs in einem Communiqué. «Ich bin begeistert, dass der diesjährige Nobelpreis an die Teilchenphysik geht», lässt sich Cern-Generaldirektor Rolf Heuer darin zitieren. Die Entdeckung des Higgs-Bosons letztes Jahr am Cern sei der Höhepunkt von jahrzehntelangen intellektuellen Leistungen vieler Leute weltweit gewesen.

Beim Wandern entdeckt

Fast 50 Jahre standen Englert und sein Kollege Brout öffentlich im Schatten von Higgs, obwohl die beiden zwei Monate vor Higgs einen Aufsatz zur Erklärung der Masse kleinster Teilchen publiziert hatten. Der Name des Briten setzte sich in der Öffentlichkeit durch. Die revolutionäre «Eingebung» kam Higgs, der damals an der Universität in Edinburgh tätig war, auf einer Wanderung in den Bergen des schottischen Hochlands. Seiner Theorie wurde allerdings nicht sofort Glauben geschenkt. Der Physiker Stephen Hawking schloss sogar eine Wette dagegen ab. (sda)

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