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Pilzgiftskandal in Deutschland

Berlin. In Niedersachsen haben die Behörden 35 000 Tonnen mit Pilzgift verseuchtes Maisfutter beschlagnahmt.

Gammelfleisch, Pferdefleisch und seit gestern nun also vergiftetes Maisfutter, das an Rinder, Schweine und Geflügel verfüttert wurde, tonnenweise. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium informierte am Freitag darüber, dass insgesamt 45 000 Tonnen Maisfutter mit dem krebserregenden Pilzgift Aflatoxin im landeseigenen Hafen Brake aus Serbien importiert wurde. 35 000 Tonnen davon konnten sichergestellt werden. Aber etwa 10 000 Tonnen wurden an 13 Futtermittelhersteller in Niedersachsen und in der Folge an 3560 Landwirtschaftsbetriebe ausgeliefert. Dort wurde der Mais zur Produktion von Mischfuttermitteln verarbeitet. Alle diese Betriebe, versicherte gestern ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, würden jetzt überprüft.

Das Pilzgift Aflatoxin B1 zählt zu den stärksten krebserregenden Stoffen überhaupt und wurde schon vor Jahren etwa in Kosmetika entdeckt. Der festgestellte Aflatoxin-B1-Wert in den untersuchten Futtermitteln überschritt den erlaubten Höchstwert mit 0,204 Milligramm pro Kilo deutlich. Der Grenzwert liegt bei 0,02 Milligramm.

Die Behörden beruhigen

Trotzdem sei eine Gefährdung der Verbraucher «unwahrscheinlich», beschwichtigten die niedersächsischen Behörden. In den bislang kon­trol­lier­ten Molkereien sei zumindest bei der Milch keine Grenzwertüberschreitung festgestellt worden.

Trotzdem kommt die neue Lebensmittelaffäre für die schwarz-grüne Regierung Merkel zur Unzeit. Denn noch haben CDU, CSU und FDP die Pferdefleischgeschichte nicht verdaut, geschweige denn überzeugend bewältigt. Verbraucherministerin Ilse Aigner hat Vorschläge unterbreitet, die von der Opposition als Aktionismus bezeichnet werden, und der Bundestag hat am Donnerstag nur beschlossen, dass die Behörden künftig die Bevölkerung früher warnen müssen bei möglichen Gesundheitsgefährdungen. Schon «bei hinreichendem Verdacht auf erhebliche Täuschung» müsse informiert werden.

Nicht auszuschliessen ist überdies, dass die Pilzgiftaffäre sich noch ausweitet, weil auch vergiftetes Mais­futter nach Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und in die Niederlande geliefert wurde. Und die Opposition wird die Regierung wohl fragen, war­um nichts passiert ist, als man giftpilzbelastete Milch, importiert aus Kroatien, schon Anfang Februar entdeckte. Damals war schon klar, dass es Funde der krebserregenden Substanz auch in Serbien, Slowenien und Bosnien gab.

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