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Pionierwerk nach Zürcher Gusto

Der Lehrplan 21 kommt im Kanton Zürich im Grossen und Ganzen gut an. Der Bildungsrat bezeichnet ihn als Meilenstein der Schweizer Volksschule, kritisiert ihn aber auch als zu anspruchsvoll.

Regine Aeppli (SP) kann gar nicht anders, als den Lehrplan 21 zu loben. Schliesslich ist sie als Mitglied der Konferenz der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren (D-EDK) eine der Erschafferinnen dieses Werks (siehe Box). Die Euphorie, die sie gestern zeigte, geht aber über das Pflichtpensum hinaus: Als «beeindruckendes Pionierwerk» bezeichnete sie den Lehrplan, der erstmals eine gemeinsame Grundlage für die Volksschulen aller 21 Deutschschweizer Kantone schaffen soll. «Dies ist der grösste Entwicklungsschritt der Volksschule, seit vor 130 Jahren die Schulpflicht eingeführt wurde», sagte die begeisterte Regierungsrätin.

Sie präsentierte gestern die offizielle Stellungnahme, die der Kanton Zürich zum Lehrplan 21 abgegeben hat. Verfasst hat das Papier der Bildungsrat. Dabei stützte er sich auf eine Vernehmlassung bei Schul- und Lehrerverbänden, Parteien und anderen Interessierten.

Schlüsselwort Kompetenzen

Die Auswertung zeigt: Der Lehrplan stösst im Kanton Zürich auf viel Goodwill. So wird allgemein gelobt, dass sich die Struktur des Lehrplans nicht mehr an Fächern, sondern an Fachbereichen orientiert. Die Lernziele für Biologie, Chemie und Physik werden beispielsweise gemeinsam als Fachbereich Naturwissenschaft aufgeführt.

Positiv beurteilt wird auch, dass sich der Lehrplan inhaltlich nicht mehr in erster Linie am Schulstoff selbst, sondern an dessen Anwendung orientiert. Das Schlüsselwort hierfür lautet: Kompetenzen. Die Schüler sollen in der Lage sein, erworbene Kenntnisse sinnvoll einzusetzen und nicht einfach nur wiederzugeben.

Hunderte von Lernzielen

Für jeden Fachbereich gibt der Lehrplan deshalb Kompetenzen vor, die bis zu einer bestimmten Klasse erreicht sein sollen. Hunderte von Kompetenzen sind vom Kindergarten bis zur dritten Sek aufgeführt. Laut Bildungsrat Lucien Criblez wurde diese Fülle an Zielen in der Vernehmlassung mehrfach kritisiert. Criblez gab allerdings zu bedenken, dass umfangreiche Vorgaben nicht einfach schlecht seien. «Konkrete und detaillierte Beschreibungen sind nötig für einen praxisnahen Lehrplan.»

Kritik äussert der Bildungsrat aber am Niveau jener Ziele, die als Mindeststandard für alle Schüler festgelegt wurden. Sie seien in vielen Fächern so hoch, dass ein grosser Teil der Zürcher Kinder und Jugendlichen sie nicht erreichten. Aus diesem Grund sollten sie nach unten angepasst werden.

In gestalterischen und handwerklichen Fächern wünscht sich der Bildungsrat zudem mehr Praxis und weniger Theorie. «Es ist wichtiger, Kochen zu üben, als über das Kochen nachzudenken», sagte Criblez. Derweil sollen die Fachbereiche ICT (Informatik) und Medien sowie berufliche Orientierung nach Ansicht des Bildungsrats noch einmal ganz neu erarbeitet werden. Ihre Konzepte seien zu wenig überzeugend.

Die Zürcher Stellungnahme geht nun zusammen mit den Positionen der anderen 20 Kantone an die D-EDK. Diese überarbeitet danach den ersten Entwurf, sodass im Herbst 2014 der definitive Lehrplan vorliegen soll. Die Kantone sind dann verantwortlich dafür, ihn einzuführen. Im Kanton Zürich ist dies frühestens im Schuljahr 2017/18 der Fall.

Wie sich der Lehrplan 21 auf die Zürcher Schulen auswirkt, ist im Detail noch nicht bekannt. Klar ist aber, dass die Lehrerinnen und Lehrer in der Aus- und Weiterbildung schon möglichst bald auf das neue Regime vorbereitet werden sollen. Es sei wahrscheinlich, dass die Pädagogischen Hochschulen der Deutschschweiz hier zusammenspannten, sagte Aeppli. Änderungen wird es auch bei den Lehrmitteln geben. Die aktuellen Bücher genügen in mehreren Fächern den neuen Vorgaben nicht mehr.

Englisch erst ab der 3. Klasse

Keine Vorgaben macht der Lehrplan 21 zu Wahl und Reihenfolge der Fremdsprachen. Im Kanton Zürich wird auch in Zukunft zuerst Englisch und dann Französisch gelernt. Allerdings plant der Bildungsrat, mit Englisch statt in der zweiten erst in der dritten Klasse anzufangen. Dies werde auch in den meisten anderen Kantonen so gehandhabt.

Der Verband der Zürcher Seklehrer lobte in einem Communiqué die Stellungnahme des Bildungsrates. Es sei erfreulich, dass dieser die Kritikpunkte der Seklehrer aufgenommen habe. Die kantonale CVP äussert sich zufrieden darüber, dass der Bildungsrat die Mindestanforderungen gewisser Fächer senken will. Die Partei fordert, der Kanton müsse nun die Umschulung der Lehrpersonen und die Entwicklung neuer Lehrmittel baldmöglichst aufgleisen.

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