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Platznot macht erfinderisch

Im Schulhaus Laubegg in Dättnau zieht eine Klasse nach den Sommerferien vorübergehend in die Mediothek. Ab Herbst sollen Container Abhilfe schaffen.

«Mediothek» steht am Türschild. Dar­un­ter hängt der Stundenplan der 1e. Im Schulhaus Laubegg in Dättnau hat die Schulleitung zu ungewöhnlichen Massnahmen gegriffen, damit im neuen Schuljahr jede Klasse ein eigenes Zimmer hat. Bücherschränke und Gruppentische wurden vom Lehrpersonenteam in einen Kellerraum gezügelt. An ihrer Stelle stehen niedrige Erstklässlerpulte. Eine Wandtafel fehlt noch. Ansonsten erinnern nur die roten Wandregale daran, dass hier bis letzte Woche ein Leseraum war. Als klar wurde, dass im neuen Schuljahr im «Laubegg» zwei voll besetzte erste Klassen starten würden, war für Schulleiterin Silvia Stäheli und ihr Team klar: «Wir müssen versuchen, für sie Platz zu schaffen.» Die Alternative wäre gewesen, eine Klasse täglich per Schulbus nach Töss, ins Schulhaus Gutenberg zu fahren. «Das wäre ein grosser Aufwand gewesen und hätte wohl für einen Aufschrei unter den Eltern gesorgt», glaubt auch Bea Schläpfer, Präsidentin der Kreisschulpflege Töss. Doch wohin mit den Schülern, wenn nirgends Platz ist? Schulleiterin Stäheli ist sich das Jonglieren mit Räumen gewohnt. «Seit ich vor fünf Jahren mein Amt übernahm, ist die Schule von acht auf zehneinhalb Klassen gewachsen.» Im Schulhaus Laubegg wird bereits seit zwei Jahren der Singsaal als Klassenzimmer umgenutzt. Gruppenunterricht findet oft auf dem Gang statt, der Mittagstisch in den Räumlichkeiten des Quartiervereins. Ein «Kampf» mit der Stadt Abhilfe soll in den Herbstferien kommen, in Form eines Container-Provisoriums mit zwei Klassenräumen. Unterhalb des Sportplatzes stehen schon die Bauprofile. Dass die Container noch nicht zum neuen Schuljahr bereitstehen, liege nicht an der Schule, sagt Stäheli. «Wir haben uns seit Jahren um eine Aufstockung bemüht. Anhand der Kindergartenzahlen können wir jeweils abschätzen, was zwei Jahre später auf die Primarschule zukommt.» Bei der Stadt stiess man trotzdem lange Zeit auf taube Ohren. Sie stützte sich auf eine Bevölkerungsentwicklungsstudie, die zu einem deutlich kleineren Zuwachs kam. «Es war ein langer Kampf», sagt Stäheli. Doch Schulstadtrat Stefan Fritschi (FDP) hatte im Frühling ein Einsehen und genehmigte die temporären Bauten. Seit da geht es so schnell voran, wie die Bauvorschriften es zulassen. Zum Schulstart im August reicht es trotzdem nicht. Platznot und Sparkämpfe haben im jungen Schulhaus Laubegg eine gewisse Tradition. Der Baukredit wurde vom Grossen Gemeinderat um 2 Millionen gekürzt. Anstelle der geplante neun Klassenzimmer wurden nur sieben gebaut. Als das «Laubegg» 2002 eingeweiht wurde, war es bereits zu klein. Kurz nach der Fertigstellung musste das Gebäude mit einem Erweiterungsbau verlängert werden. Doch selbst mit der 2005 eingeweihten Erweiterung stösst man längst wieder an Grenzen. Das Quartier wächst weiter Es ist vor allem Dättnaus Lage an der Peripherie, die das Quartier planerisch so schwierig macht. Es wird viel gebaut und Familien mit Kindern ziehen zu – oft auch mitten im Schuljahr. Längst verschickt die Schulpflege Töss bei Neubauprojekten Fragebögen an die Bauherren, um frühzeitig über Preise, Grundrisse und Kinderfreundlichkeit des dazukommenden Wohnraums informiert zu sein. Dass junge Stadtteile mit einem hohem Anteil von Wohneigentum eine «Kinderwelle» mit sich bringen, die abflaut, wenn die zugezogenen Familien altern, ist Stäheli bewusst. Dass der zusätzliche Schulraum temporärer Natur ist, stört die Schulleiterin dar­um nicht. «Wir freuen uns auf die Container», sagt sie. Spätestens zur Lesenacht im November hofft sie dank ihnen wieder eine richtige Mediothek zu haben – und sogar einen Singsaal.

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