Volken

Plötzlich Favorit für das Präsidium

Fast wäre Reto Giger in Volken gegen seinen Willen zum Gemeindepräsidenten gewählt worden. Im zweiten Wahlgang könnte es auch andere treffen. Unfreiwillige Favoriten gibt es einige.

In Volken muss ein grosser Teil der Einwohner irgendwann einmal in einer Behörde mitarbeiten.

In Volken muss ein grosser Teil der Einwohner irgendwann einmal in einer Behörde mitarbeiten. Bild: Nathalie Guinand

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Nach dem ersten Wahlgang am Sonntag beginnt in der kleinsten Gemeinde des Kantons eine Art Schwarzpeterspiel. Wer hat sich noch zu wenig für die 340-Einwohner Gemeinde engagiert?

Wen könnte man beim zweiten Wahlgang am 10. Juni noch auf den Wahlzettel schreiben und damit in den Gemeinderat wählen? Denn nach vier Rücktritten fehlt es in Volken nicht zum ersten Mal an Kandidaten. Drei Sitze gilt es noch zu besetzen, darunter das Gemeindepräsidium.

«Das Amt wäre für mich zeitlich nicht vereinbar.» Reto Giger, 
Favorit wider Willen

Mit 17 Stimmen hätte der bisherige Gemeinderat Reto Giger das absolute Mehr für das Gemeindepräsidium von 25 Stimmen fast erreicht. Als Gemeinderat wurde er klar gewählt. Kommt für ihn das höchste Amt nicht vielleicht doch in Frage? «Es ist zwar schön, dass ich Stimmen erhalte, ich habe mich dazu aber schon mehrfach klar geäussert, etwa an der Gemeindeversammlung: Das Amt wäre für mich zeitlich nicht vereinbar.»

Der Informatiker ist beruflich stark eingebunden und hat einen bald vierjährigen Sohn. Er ist aber zuversichtlich, dass sich doch noch Kandidaten finden lassen. Giger hofft dabei vor allem auf Alteingesessene. Denn mit ihm und Marion Boos seien zwei Neuzuzüger gewählt worden und eine gute Durchmischung des Gremiums wäre wichtig.

Grundsätzlich gilt Amtszwang

Auf den vorderen Listenplätzen für die drei vakanten Sitze im Gemeinderat landeten auch Ulrich Ritzmann und Paul Ritzmann, beide ebenfalls unfreiwillig. Ulrich Ritzmann, der in Volken ein Transportunternehmen führt, kann es sich keinesfalls vorstellen, plötzlich Gemeinderat zu werden. «Ich habe Null Zeit dafür», sagt er. «Vorher würde ich wegziehen.»

Auch Landwirt Paul Ritzmann will sich nicht wählen lassen. Er habe schon acht Jahre in der Schulbehörde mitgearbeitet, sagt er. Aus dem Schneider ist er damit allerdings noch nicht. Denn im zweiten Wahlgang sind die drei Kandidaten mit den meisten Stimmen automatisch gewählt und es gilt in Zürich grundsätzlich der Amtszwang.

Davon ausgenommen sind nur Personen, die über 60 Jahre alt sind, ein anderes Gemeindeamt ausüben oder schon zwei Amtsdauern Mitglied des betreffenden Gremiums waren. Etwas mehr Spielraum lässt nur die vierte Regel: Von seiner Pflicht befreit ist nämlich auch, wem das Amt aus anderen wichtigen Gründen nicht zuzumuten ist.

Dafür genügt es aber nicht, einfach zu sagen, man habe keine Zeit. Es muss konkret begründet und soweit als möglich belegt werden, weshalb die Ausübung des Amts aus zeitlichen Gründen unzumutbar ist, wie Boris Häusermann, Schreiber des Bezirksrats Andelfingen sagt.

Geschichte wiederholt sich

Schon bei den Wahlen vor acht Jahren war es in Volken nach vier Rücktritten im Gemeinderat schwierig, Kandidaten zu finden. Der heutige Gemeindepräsident Martin Keller, Ferdinand Hodel und Susanne Schmidheiny-Erb reagierten damals mit einer kreativen Aktion, als sie sich plötzlich in der Favoritenrolle sahen: Sie kündigten an, bei einer Wahl eine Fusion mit Nachbargemeinden anzustreben. Und sie hielten ihr Versprechen. Nur lehnten die Nachbarn vertiefte Fusionsabklärungen dann ab.

Inzwischen steht Volken deutlich besser da als vor acht Jahren. Die Finanzlage hat sich nicht zuletzt dank der Schulfusion im Flaachtal stabilisiert und die Infrastruktur ist intakt. Keller bedauert es deshalb, dass keine Nachfolger in Sicht sind. Gerade den Kritikern böte sich nun die Gelegenheit, selber hinzustehen, findet er. Die acht Jahre als Gemeindepräsident will er zudem keinesfalls missen. «Wir hatten viel Vertrauen und konnten viel bewegen. Es ist ein schönes Amt.»

Und vielleicht gibt es bald einen neuen Favoriten. Mit 12 Stimmen taucht auch Marcel Staub auf der Liste möglicher Gemeinderäte auf. Der Inhaber eines Elektrogeschäfts winkt nicht sofort ab. Er wolle aber so kurz nach den Wahlen erst abwarten, sagt er. «Es wird sicher Gespräche geben.» Grundsätzlich hofft Staub auf Kandidaten aus der Landwirtschaft.

(Der Landbote)

Erstellt: 16.04.2018, 17:49 Uhr

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