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Podestplatz zum Abschlusss

LENZERHEIDE. Lara Gut sorgt mit Rang 3 im Riesenslalom für einen versöhnlichen Schweizer Abschluss der Weltcupsaison. Die letzte Kristallkugel holt sich Mikaela Shiffrin im Slalom.

Mit den 4. Rängen in Aspen und St. Moritz hatte Lara Gut angedeutet, dass sie auch im Riesenslalom mit den Besten mithalten kann. Gleichwohl kam der Exploit in Lenzerheide unerwartet, zumal es der Tessinerin seit dem Auftritt im Engadin in ihrer dritten Disziplin nicht mehr wie gewünscht gelaufen war. Die Ausnahme war der 7. Platz an der WM in Schladming. Im Weltcup hatte es Gut in dieser Sparte zuvor nur Ende Dezember 2008 am Semmering als ebenfalls Dritte aufs Podest geschafft.

Lara Gut selber mochte den 3. Platz aber nicht als Überraschung werten: «Ich weiss um meine Stärken im Riesenslalom.» Dass zwischen St. Moritz und Schladming die guten Ergebnisse ausblieben, begründet sie mit der Ernährung. «Während des Sommers habe ich selber gekocht. Den Winter über in den Hotels war die Verpflegung für mich nicht immer optimal. Deshalb hat mir vielfach die Kraft gefehlt.»

Auch den Moment, der sie die Teilnahme an der Siegerehrung hätte kosten können, sah sie in der Nachbetrachtung als nicht allzu dramatisch. Im zweiten Lauf war sie mit der rechten Schulter am fünftletzten Tor hängen geblieben, hatte dabei den rechten Stock verloren und vor allem an Geschwindigkeit eingebüsst. Ähnliches hatte sie schon einmal erlebt. «Es scheint, dass ich in der Schweiz auch ohne komplettes Material aufs Podest fahren kann», sagte sie schmunzelnd. Im Februar 2008 war sie als 16-Jährige in ihrer ersten Weltcup-Abfahrt Dritte geworden – nachdem sie auf den letzten Metern gestürzt und mit nur noch einem Ski ins Ziel geschlittert war.

Mit dem Sieg im Riesenslalom in Sölden hatte Tina Maze die Saison begonnen, mit dem Sieg in Lenzerheide ging der Winter der Rekorde für die Slowenin zu Ende. Dazwischen gewann sie neun weitere Weltcuprennen, belegte siebenmal Platz 2, sechsmal Platz 3 und sicherte sich ausserdem den WM-Titel im Super-G und zwei weitere Medaillen. Die überragenden Auftritte gipfelten in zwei Weltcup-Bestmarken, die seit dem Winter 1999/00 Hermann Maier mit 22 Podesträngen und 2000 Punkten hielt. Tina Maze schraubte den Rekord auf 24 Podestplätze und 2414 Punkte. «Ein unglaublicher Winter ist zu Ende. Wenn ich zurückblicke, fehlen mir die Worte.»

Zwischen Tina Maze und Lara Gut klassierte sich in Lenzerheide die französische Weltmeisterin Tessa Worley, die bei Halbzeit noch geführt hatte. Dominique Gisin musste sich bei 14 Klassierten mit Rang 13 bescheiden.

Holdeners zweitbestes Resultat

Am Samstag hatte sich die Slalomweltmeisterin Mikaela Shiffrin mit dem vierten Saisonsieg auch die kleine Kristallkugel gesichert. Die Amerikanerin, die am Mittwoch 18 Jahre alt geworden war, stiess dank Laufbestzeit vom 4. noch auf den 1. Rang vor. Die bei Halbzeit mit grossem Vorsprung führende Maze fiel auch noch hinter Bernadette Schild, die ihren ersten Podestplatz im Weltcup erreichte, zurück.

Die Auszeichnung als beste Slalomfahrerin der Saison ging deshalb mit 33 Punkten Vorsprung auf Maze an Shiffrin – dies als erste Nichteuropäerin seit 1983/84 und ihrer Landsfrau Tamara McKinney. «Ich bin so glücklich, dass ich alle meine Ziele in dieser Saison erreicht habe», sagte sie.

Wendy Holdener verbesserte sich im Final vor 9000 Zuschauern trotz nicht optimaler Fahrt im untersten Teil noch um zwei Positionen auf Platz 5. Dies war ihr zweitbestes Resultat nach dem 2. Platz von Ofterschwang. «Die Ausgangslage vor dem zweiten Lauf war gut. Der Fehler unten ärgert mich», so die 19-jährige Schwyzerin, der über 1,3 Sekunden zum Podest fehlten.

Holdener war zu Saisonbeginn in der Weltrangliste nur knapp in den Top 30 zu finden, nun liegt sie auf Position 8. Als einzige Fahrerin punktete die Schwyzerin in jedem Slalom des Winters und war nie schlechter als 17. «Ich bin gesund und hatte ein super Jahr, in dem ich sehr konstant fuhr. Mit dieser Saison bin ich zufrieden, dar­auf lässt sich doch gut aufbauen», bilanzierte Holdener. Lara Gut, bei Halbzeit 18., schied in ihrem ersten Spezialslalom des Winters im Final aus.

Sieg trotz Rückenproblemen

Der Nidwaldner Markus Vogel schied im letzten Saisonrennen der Männer bereits im ersten Lauf des Slaloms schon nach wenigen Toren aus. Der Deutsche Christian Neureuther entschied das Duell um den Sieg gegen Marcel Hirscher trotz eines lädierten Rückens für sich.

Ein (vierter) Bandscheibenvorfall und eine Entzündung an der Lendenwirbelsäule hatten schon die Saisonvorbereitung des WM-Zweiten beeinträchtigt und ihn zum Verzicht auf den Auftakt in Sölden gezwungen. Spritzen und ein Grosseinsatz des Physiotherapeuten brachten nun Linderung – mehr nicht. «Schmerzfrei war ich trotzdem nicht», sagte Neureuther nach seinem vierten Weltcupsieg im Slalom und dem fünften insgesamt. «Das ist einer der verrücktesten Tage meiner Karriere. Eigentlich unfassbar, dass ich mit dieser Vorgeschichte hier gewinnen konnte.»

Trotz des verpassten 100. Sieges eines Österreichers in einem Weltcup-Slalom schrieb Hirscher ein weiteres Kapitel Skigeschichte. Wie Tina Maze im Riesenslalom klassierte sich der Salzburger in allen neun Slaloms dieses Winters unter den ersten drei. Das hatte vor ihm nur Alberto Tomba 1991/92 geschafft. Zudem bestritt Hirscher (neben einem Super-G) acht Riesenslaloms und zwei Parallel-Rennen. Macht 19 Einsätze in seinen Kerndisziplinen. Sechs Siege feierte er diesen Winter, und nur im Riesenslalom von Adelboden verpasste er das Podest, nachdem ihm ein grober Schnitzer unterlaufen war. «Für mich selber war es teilweise ein Rätsel, wie so etwas überhaupt möglich war», blickte Hirscher zurück. «Das Ganze war schon fast surreal.»

Ligety zum Sechsten

Ted Ligety vor Hirscher und Alexis Pinturault – der letzte Riesenslalom hatte am Samstag die Stärkeverhältnisse in dieser Sparte perfekt wiedergegeben. «Cool, was mir in dieser Saison alles gelungen ist. Schwierig, dass ich das je werde wiederholen können», so der dreifache Weltmeister. Der 28-jährige Amerikaner stand in allen acht Riesenslaloms auf dem Podest. Sechs Saisonsiege (oder mehr) in dieser Disziplin waren zuvor nur Ingemar Stenmark gelungen. Insgesamt hält Ligety nun bei 17 Weltcupsiegen – alle im Riesenslalom.

Mit Didier Défago war nur ein Schweizer startberechtigt. Der Walliser verbesserte sich im Final mit zweitbester Laufzeit immerhin noch um fünf Positionen auf den 14. Platz. Der Abfahrts-Olympiasieger fand sein drittbestes Riesenslalom-Resultat der Saison «grundsätzlich okay», doch nun gelte es, «den Winter genau zu analysieren und die richtigen Schlüsse für die kommende Saison zu ziehen». (si/red)

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