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Politiker schachmatt

Schweizer Parlamentarier spielten gestern gegen Schach gegen eine russische Delegation mit dem früheren Weltmeister Anatoli Karpow.

«Es dauerte zwar nur sieben Minuten, aber das verlangte mir alles ab», sagt Ständerat Hans Altherr (FDP, AR) nach der ersten Partie Schnellschach. Er gehört zum sechsköpfigen Schweizer Team, das gegen eine Delegation des russischen Parlaments antritt. Ständerat Filippo Lombardi (CVP, TI), der selber nicht mitspielt, hat den Anlass zum 200-jährigen Bestehen der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland organisiert. Doch das Jubiläum interessiert niemanden. Am Anlass dreht sich stattdessen fast alles um Anatoli Karpow. Der frühere Schachweltmeister ist Mitglied des russischen Teams und am Brett für alle Teilnehmer ein unüberwindbares Bollwerk. Abseits dieses «Freundschaftsturniers» kamen aber doch auch kritische Fragen auf. Dürfen Schweizer Politiker während der Ukraine-Krise Kontakte zu einer russischen Delegation pflegen? Zumal das russische Team nur mit Leuten besetzt ist, die das Vorgehen von Staatspräsident Wladimir Putin unterstützen. Schweizer Aussenpolitiker äusserten sich dazu gestern in den Medien widersprüchlich. SP-Nationalrat Andreas Gross (ZH) hält es für den «dümmstmöglichen Fehler», während einer Krise den Dialog abzubrechen. Der Europarat fordere das Gegenteil, weil ohne Gedankenaustausch gar keine Entwicklung möglich sei. Selbst Bundesrat Didier Burkhalter, der als OSZE-Vorsitzender im Ukraine-Konflikt vermittelt, rufe zum Dialog mit Russland auf. Am Turnier selber ist das alles kein Thema. Karpow erklärt kurz die Regeln. Einzig im Schlusssatz lässt er Schalk durchblicken: «Der Stärkere möge gewinnen», sagt er und unterstreicht das mit einem Haifischlächeln. Pro Partie hat jeder Spieler maximal sieben Minuten Zeit. Es verliert, wer seine Zeit zuerst aufgebraucht hat oder matt ist. Hans Altherr gewinnt mehrere Partien. Er holt vier von sechs möglichen Punkten, betreibt damit aber letztlich doch nur Resultatekosmetik. Die Schweiz verliert, wie es alle erwartet haben, deutlich mit 25,5 zu 10,5 Punkten.

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