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Polizei registriert wieder mehr Kriminelle

Erstmals seit zehn Jahren ist die Zahl der Straftaten im Kanton Zürich wieder angestiegen. Häufiger geworden sind vor allem Vermögensdelikte wie Diebstähle, Einbrüche und Betrug. Verbrechen gegen Leib und Leben sind dagegen leicht rückläufig.

Der Termin Ende März muss für die Kriminalpolizei inzwischen zur «liebsamen» Routine geworden sein. Denn Jahr für Jahr gab es dieselbe frohe Botschaft zu vermelden: Der Kanton Zürich wird sicherer, die Zahl der Straftaten nimmt ab. Im Jahr 2004 hatte die Polizei noch über 167 000 Delikte registriert. Bis Ende 2011 reduzierte sich diese Zahl auf gut 137 000.

Doch seither hat der Wind gedreht. Kripochefin Christiane Lentjes musste gestern zum ersten Mal seit Langem wieder einen Anstieg der Kriminali- tät be­kannt geben. 148 500 Straftaten weist die Kriminalstatistik für das Jahr 2012 aus. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 8,2 Prozent mehr. Für Lentjes ist das eine unerfreuliche Entwicklung, aber noch kein Grund zur Panik. «Verglichen mit den 80er- und 90er-Jahren haben wir noch immer eine sehr moderate Kriminalitätsrate», sagte sie gestern vor den Medien. Dennoch hoffe sie sehr, dass es sich um einen Ausreisser-Jahrgang handle und sich die Zahlen im laufenden Jahr mindestens stabilisierten. Das erste Quartal 2013 lässt diese Hoffnung auf jeden Fall zu: «Ich spüre eine gewisse Entspannung», so Lentjes.

Zugenommen haben im vergangenen Jahr hauptsächlich die sogenannten Ver­mögensdelikte (86 054 Fälle, plus 11,5 Prozent), insbesondere Taschen-, Trick- und Ladendiebstähle, Einbrüche, Raub, Betrug und Erpressung. Vor allem Einbrüche gehen zunehmend auf das Konto professioneller Banden aus dem Ausland. Diese halten sich oft nur wenige Tage in der Schweiz auf und verüben in dieser Zeit gleich eine ganze Serie von Delikten (siehe auch Text unten links). Diese Banden zu stellen, sei sehr schwierig, da sie schnell wieder ausser Landes sind, sagte Jürg Zingg, Chef Region West bei der Stadtpolizei Zürich. «Wenn wir aber eine Gruppe verhaften können, lösen wir auf einen Schlag bis zu hundert Fälle.»

Herausforderung Internet

Auch Betrugsfälle werden immer internationaler, da sie sich zunehmend ­virtuell abspielen: Nutzer werden bei Geschäften auf dubiosen Onlineplattformen übers Ohr gehauen, Hacker verschaffen sich Zugang zu fremden Computerdaten und Betrüger ergaunern sich mit Phishing-Mails Informationen über Bankkonten.

Die Neuen Medien seien für die Polizei eine grosse Herausforderung, sagte die Kripochefin. «Trotzdem ist es uns gelungen, viele Betrügereien aufzudecken, bevor effektiv Geld gezahlt wurde.» Insgesamt hat die Polizei im vergangenen Jahr digitales Datenmaterial im Umfang von 490 Terabyte sichergestellt. Ausgedruckt auf Papier ergäbe das rund 90 Milliarden A4-Seiten. Nebst Geschäftsunterlagen waren dar­un­ter vor allem verbotene pornografische Inhalte.

Insgesamt zurückgegangen sind dagegen die Delikte gegen Leib und Leben. Damit setzt sich ein Trend der vergangenen Jahre fort. Die Abnahme bezieht sich vor allem auf geringere Vergehen wie Tätlichkeiten oder leichte Körperverletzungen (1509 Fälle, minus 10 Prozent). Demge­gen­über haben die schweren Körperverletzungen aber deutlich zugenommen (202 Fälle, plus 53 Prozent). Die versuchten Tötungsdelikte haben sich von 38 auf 22 reduziert, effektiv ums Leben gekommen sind 2012 jedoch sechs Menschen, während es 2011 drei waren. «Diese Zahlen zu begründen, ist sehr schwierig», sagte Christiane Lentjes. Möglicherweise gebe es eine Verschiebung von mehr leichteren hin zu weniger, dafür schwereren Straftaten. Belegen lasse sich das aber nicht.

Immerhin deuten die Zahlen aus dem Bereich häusliche Gewalt in die gleiche Richtung. Auch hier ist die Zahl der registrierten Straftaten im vergangenen Jahr gesunken. Der Anteil der schweren Körperverletzungen ist laut Lentjes aber auch hier höher als noch 2011.

Sexuelle Gewalt nimmt ab

Erfreulich ist derweil der Rückgang von sexueller Gewalt. Die Zahl der Vergewaltigungen lag 2012 bei 127, im Jahr 2011 waren es noch 143 gewesen. Noch stärker abgenommen haben Fälle von sexuellen Handlungen mit Kindern. Diese sanken innert Jahresfrist von 342 auf 215, was einer Abnahme um 37 Prozent entspricht.

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