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Polizei überwältigt verschanzten «Heiler» mit Elektroschock-Gerät

Die Polizei hat den in seinem Haus im Stöckackerquartier verschanzten Berner «Heiler» mit einem Taser überwältigen und anschliessend festnehmen können. Verletzt wurde bei der Aktion niemand.

Die Polizei hat heute den in seinem Haus im Stöckackerquartier verschanzten Berner "Heiler" mit einem Taser überwältigen und anschliessend festnehmen können. Verletzt wurde bei der Aktion niemand. Der selbsternannte "Heiler" hätte in den vergangenen Tagen vor Gericht erscheinen sollen, wo ein Prozess gegen ihn läuft. Der Mann wird beschuldigt, 16 Personen vorsätzlich mit HIV infiziert zu haben. Weil der Angeklagte den Verhandlungen fernblieb, beauftragte der Gerichtspräsident schliesslich die Polizei, den Mann abzuholen. Befehl widersetzt Der "Heiler" und Musiklehrer kam dem Befehl der Polizei allerdings nicht nach und verschanzte sich stattdessen in seinem Haus im Berner Stöckackerquartier. Damit begann für die Einsatzkräfte, aber auch für Quartierbevölkerung, eine rund 24-stündige Geduldsprobe. Die Liegenschaft des Mannes wurde grossräumig abgesperrt. Die Polizei rückte bis zu seiner Wohnungstüre vor. Dieser stiess durch die verschlossene Türe massive Drohungen gegen Polizei und Justiz aus, worauf sich die Polizei wegen der unklaren Bedrohungslage vorderhand zurückzog und Verstärkung anforderte. Mit Schwert und Messer bewaffnet Am Donnerstag erschien der Mann zweimal kurz vor seinem Haus. Er hatte ein Schwert umgeschnallt und ein Messer in der Hand. Allerdings verschwand er kurzum wieder im Innern des Hauses, bevor ihn die Polizei hätte dingfest machen können. Bei sich in der Wohnung hatte der Mann eine Bekannte, die sich nach Angaben der Berner Kantonspolizei aber freiwillig dort aufhielt. Per Telefon stand die Polizei mit den beiden verschanzten Personen in Kontakt. Geduldsprobe Die Polizei stellte sich auf einen längeren Einsatz ein. Dies vor allem, weil es ihr Ziel war, dass bei der Aktion möglichst niemand zu schaden kommt. Zum anderen hatte der Heiler das Haus gut gegen mögliche Eindringlinge gesichert. Auf das Kommen der Polizei war er vorbereitet. Er hatte Schlösser angebracht und die Türen gesichert. Die ganze Nacht und auch heute Morgen blieb es ruhig beim Haus. Kurz vor dem Mittag stürmte die Polizei das Haus des Mannes. Angehörige der Sondereinheit Enzian setzten eine Elektroschock-Pistole, einen sogenannten Taser, gegen den mit einem Messer bewaffneten Mann ein, wie die Polizei heute weiter mitteilte. Wo genau die Anhaltung geschah, liess die Polizei offen.Der Heiler wurde nicht verletzt. Er musste aber aufgrund seines allgemeinen psychischen und physischen Gesundheitszustands ins Spital gebracht werden. Die ärztlichen Untersuchungen dauerten am Nachmittag noch an. Haftbefehl ausgestellt Die Staatsanwaltschaft hatte einen Haftbefehl gegen den Beschuldigten ausgestellt. Dieses neue Verfahren wird unabhängig von dem bereits am Regionalgericht Bern-Mittelland laufenden Prozess geführt. Bei dem Polizeieinsatz heute Mittag wurde auch die Frau angehalten, die sich beim Heiler in der Wohnung befand. Ihre Identität wurde bisher noch nicht gesichert. Zudem war weiterhin unklar, in welchem Verhältnis die beiden zueinander standen. Prozess geht weiter Unabhängig von der Polizeiaktion lief am Regionalgericht Bern-Mittelland der Prozess gegen den Heiler weiter. Am Freitag hielten die ersten Opfer-Anwälte ihre Plädoyers. Sie verlangten Genugtuungen von mindestens 100'000 Franken für jedes Opfer. Am Donnerstag hatte der Staatsanwalt für den Heiler eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren gefordert. Das Urteil in dem Fall wird für nächsten Donnerstag oder Freitag erwartet.

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