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Popsongs mit Soul und Kraft

Mit sympathischen Songs sang sich Lina Button im Albani in die Herzen ihrer Fans. Unterstützt wurde sie von einer hervorragenden Band, die zwischendurch auch mal zünftig Gas geben konnte.

Der Weg zu Ruhm und gleissendem Rampenlicht, zu TV-Auftritten und Porträts in den bunten Illustrierten scheint heute für junge Mainstream-Popsängerinnen vorgegeben: Er führt ausschliesslich über Castingshows und ähnliche Fernsehformate. Es sei denn, man stammt aus dem Thurgau, hatte in der Kindheit anstelle eines Fernsehers eine grosse Plattensammlung der Eltern und beschliesst später irgendwann einmal, Musik zu studieren. Der Unterricht fällt aber härter aus als erwartet, und nach einer Sinnkrise beschliesst Brigitt Zuberbühler, wie Lina Button gutbürgerlich heisst, ganz auf eigene Songs zu setzen. Eine selber produzierte Single erntet wenig Echo, führt aber vor zwei Jahren trotzdem zur ersten CD «Homesick», die überraschend gut ankommt. Obwohl sie ohne grosse Werbekampagne und grosse Plattenfirma im Rücken auskommen müssen, werden die poppigen Songs mit Blues- und Country-Einschlag im Radio gespielt, selbst bei «Aeschbacher» durfte geplaudert werden. Im Frühling dieses Jahres erschien der zweite Silberling «Copy & Paste». Ihn hat Lina Button nun am Mittwochabend im Albani präsentiert. Einen Schritt weiterkommen Sie wolle mit dem neuen Album «einen Schritt weiterkommen», liess die Sängerin im März in einem Zeitungs­interview verlauten. Die gleichnamige Single-Auskopplung ist auch heute noch regelmässig im Radio zu hören. Trotz Champions-League-Abend war das Albani ziemlich gut gefüllt, als Button und ihre männliche Begleitband die Bühne betraten. Sie nennt sie fast schon zärtlich «meine Buben». Button kann stolz auf sie sein, das Quintett entpuppte sich von Beginn weg als harmonische Einheit. Wer die Gruppe zu Beginn der Konzertserie gesehen hatte, musste sich beim Tournee-Abschluss in Winterthur die Augen ­beziehungsweise die Ohren reiben. Wirkte die Band damals zusammen­gewürfelt, so rockte sie jetzt richtig, oder vielmehr, sie rollte. Simon Kaufmann und Lukas Gasser aus der Rhythmusabteilung legten ein solides Fundament, Tastenmann Marcel Waldburger und Gitarrist Aaron Wegmann ergänzten die Pianistin Button perfekt und unaufdringlich, solange perfekt arrangierte Popsongs gespielt wurden. Wohltuende Überholmanöver Aber wehe, wenn sie losgelassen! Kurz vor der Pause manövrierten sich die «Buben» souverän in eine jazzig angehauchte Instrumentalpassage. Auch im zweiten Set durfte die Begleitband zünftig loslegen und somit unter Beweis stellen, dass sie auch als Rockband eine gute Falle macht. Auch ein Stück des amerikanischen Songwriters John Mayer, das von Wegmann und Kaufmann gesungen wurde, fiel nicht ab – im Gegenteil. Diese Überholmanöver links und rechts taten dem Konzert ausgesprochen gut. Der Mix stimmte, auf der einen Seite die ausgefeilten Popsongs mit Ausflügen Richtung Blues und Country, auf der anderen Seite der prickelnde Schuss Rock. Im Mittelpunkt stand natürlich Lina Button selber, die zierliche Schönheit aus Pfyn. Die Singer-Songwriterin führte bescheiden und sympathisch durch die Höhepunkte ihrer zwei CDs, streute bei den Ansagen ein paar witzige Anekdoten ein. In erster Linie kon­zen­trier­te sich die Thurgauerin aber auf Gesang und Piano. Lässig stand sie mal am Mikrofon, oft sass sie aber und spielte Klavier. Ihre Stimme bewegte sich bei ihren Songs im mittleren und niedrigen Tempobereich, in schnelleren Passagen erwies sie sich als erstaunlich facettenreich. So viel Soul und Kraft hätte man der jungen Frau gar nicht zugetraut! Diese jubilierenden, geradezu euphorischen Kraftausbrüche gehörten zu den Höhepunkten eines durchwegs gelungenen Konzerts. Eigentlich schade, dass die Tournee schon vorbei ist.

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