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Prädikat: «sehr wertvoll»

Nun ist es amtlich: Es gibt mindestens zehn rühmliche Naturgärten in der Stadt. Diese geben einheimischen Pflanzen und Tieren ein Zuhause – und bringen den Besitzern stadträtliche Anerkennung.

Englische Gärten sind sie nicht, die kleinen Winterthurer Privatgärten, welche die Stadt am Donnerstag aus­gezeichnet hat. Und das sollen sie auch nicht sein. Im Gegenteil: Punkte gab es bei der ersten Austragung des Naturgartenwettbewerbs nicht für milli­meterkurz geschnittenes Gras und präzis dressierte Büsche, sondern für natur­belassene heimische Gehölze und Stauden, Wiesenflächen und Biotope. Auch wer Totholz, Ast- und Steinhaufen oder Nistmöglichkeiten für Wildbienen und Vögel vorzuweisen hatte, erhielt auf dem Blatt der Kontrolleure einen positiven Vermerk.

Jetzt ist es bekannt: Die schönsten Naturgärten der Stadt liegen in Oberwinterthur, Seen, Oberseen und am Lindberg. Fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten von der Jury das Prädikat «sehr wertvoll». Die genauen Adressen anzugeben, wäre nicht sinnvoll: Nicht alle Gärten sind von der Strasse her oder im Internet mit Goo- gle Street View einsehbar. Ebenfalls fünf Gärten sind «wertvoll», zumindest in der Einschätzung des Preisgerichts, das aus An­gestellten der Stadtgärtnerei und Mitgliedern der Naturschutzkommission besteht. Zu diesen «wertvollen» Gärten gehört der von Cornelia Sommer, die im Kirchgemeindehaus Liebestrasse per Losziehung zur Gewinnerin des Wettbewerbs gekürt wurde. Auch ihr naturbelassener Garten am Rosenberg, in dem einheimische Pflanzen wachsen und keine chemischen Hilfsmittel eingesetzt werden, stiess bei der Jury auf Anerkennung.

Rangierung «nicht sinnvoll»

Im Vorfeld der Preisvergabe hatte unter den Kandidaten der Prämierungsmodus zu reden gegeben. Einzelne Teilnehmer hatten sich eine Rangierung nach der erhaltenen Punktzahl anstelle einer Lotterie gewünscht. Laut Martin Rapold von der Stadtgärtnerei wurden die Spielregeln nie geändert. Man habe sich beim Modus an dem des traditionellen Blumenwettbewerbs orientiert, bei dem der Hauptgewinner ebenfalls per Los ermittelt wird. Die einzelnen Gärten hätten ganz unterschiedliche Voraussetzungen, etwa was die Grösse, den Boden und die Sonnenbestrahlung angeht, ergänzt Stadtrat Matthias Gfeller. «Eine genaue Skala von 1 bis 100 ist da nicht sinnvoll.»

Die Siegerin darf für zwei Tage in den Nationalpark Graubünden reisen, die anderen Teilnehmer mit wertvollen Gärten erhielten Gutscheine über 100 oder 50 Franken. Die gesamte Preissumme von etwas über 1000 Franken sei ein geringer Ausgabeposten, findet Gfeller. «Es geht um eine Anerkennung. Die Besitzer von Natur­gärten leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt.» Dass die Stadt schöne Naturgärten prämiert, während naturbelassene Flächen andernorts eingezont und verbaut werden, so etwa im Vogelsang, hält Gfeller nicht für sonderbar. Private Natur­gärten seien im Gegenteil eine wichtige Kompensation für die Ausfälle, die das Wachstum der Stadt nun einmal mit sich bringe. Überdies werde auch bei der Überbauung im Vogelsang eine gewisse Grünfläche erhalten bleiben, je nach Mieter sei sogar eine ökologische Aufwertung möglich.

Mit der Beteiligung am Wettbewerb ist Gfeller zufrieden. Allerdings hätte das Feld der Teilnehmer, 16 waren es an der Zahl, grösser sein können. Der seit Jahrzehnten ausgetragene Blumenwettbewerb, den diesmal Annina Hoessly gewann, brachte es immerhin auf 54 Teilnehmer, wovon 16 «sehr schöne» Blumen besitzen. Bei der Stadt überlegt man sich nun, die beiden Wettbewerbe künftig zu alternieren oder zeitgleich nur jedes zweite Jahr durchzuführen.

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