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Präsenz für eine schwierige Messe

zürich. Am Mittwoch wurde der dreiteilige Chorkonzert- zyklus mit dem Tonhalle-Orchester Zürich und der Zürcher Sing-Akademie eröffnet. Mit diesem präsentiert sich die semi­professionelle Sing- Akademie in festlichem Gewand.

Bernhard Haitink dirigierte zum Auftakt Beethovens «Missa solemnis». Das Interesse an seiner Lesart dieser schwierigen Messe war gross, das Konzert war ausverkauft. Beethoven war nun mal kein begnadeter Oratorien- oder Messekomponist, sein Metier war das Klavier und die Sinfonie. Zudem hatte sein Konkurrent Joseph Haydn in diesem Bereich die Nase vorn. Die «Missa solemnis» war ein Auftragswerk, wurde aber nicht rechtzeitig fertig und geriet unter den persönlichen Ansprüchen des Komponisten zu einem überdimensionierten Koloss von höchster Kunstfertigkeit.

Mag sein, dass Beethoven kurz vor seiner Neunten, die mit einem Chorsatz endet, eher eine «geistliche Sinfonie» als eine Messe komponieren wollte. Der Anteil des Orchesters ist denn auch beträchtlich, doch alles ist eng miteinander verflochten. Der Chor wird in jeder Hinsicht extrem gefordert: Er singt in den knapp 90 Minuten fast ununterbrochen und oft in extrem hoher Lage, aber auch in kunstvoll fugiertem Widerspiel mit dem Orchester. Zudem fehlen Rezitative und Arien, das Solistenquartett wird eher als En­sem­ble eingesetzt.

Extreme souverän gemeistert

Bernhard Haitink setzte schon das Gloria in extremen Kontrast zum Kyrie: Das Allegro vivace geriet sehr schnell, laut und rhythmisch markiert. Den steten Wechsel zwischen Chor und Solistenquartett gestaltete er mit wunderbar fliessenden Übergängen, im «miserere nobis» des Larghettos offenbarte der Chorsopran einen weich abgerundeten Klang. Überhaupt war die Präsenz von Chor und Orchester hoch, die von Haitink ins Extrem ausgespielte, blockartige Terrassendynamik gelang dem gesamten Apparat ausgezeichnet.

Auffällig eigentümlich ist das introvertierte Sanctus. Wohltuend die lyrischen Soli der sonst eher dramatisch geforderten Ricarda Merbeth (Sopran), Bernarda Fink (Mezzosopran), Werner Güra (Tenor) und Christof Fischesser (Bass). Und im Benedictus gelang der Konzertmeisterin Julia Becker das Violinsolo auch in höchster Lage schlicht und innig. So laut und kompakt diese «Missa solemnis» ist, die von Tim Brown und Tonhalle-Intendant Elmar Weingarten lancierte und aufgebaute Sing-Akademie meisterte auch die ex- tremsten Lagen souverän, und das Orchester fand immer wieder zu kammermusikalisch reizvollen Zwischenspielen.

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