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Präzises Zielen mit den Ohren

Winterthur war Austragungsort der Torball-Landesmeisterschaften der Jugend und der Qualifikationsspiele der Herren. Das Turnier gab Einblick in die rasante Sportart für Blinde – und auch Sehende.

Die Turnhalle im Neubau der Kantonsschulen Rychenberg und Im Lee ist einzigartig. Auf dem Boden ist ein Spielfeld mit den Spezialmassen 7 mal 16 Metern eingezeichnet. Dazu kam es im Rahmen einer Maturarbeit. Für diese wurde damals ein Torballturnier organisiert, und der Hauswart war so begeistert von der Sportart, dass er die Markierungen veranlasste. Am Samstag wurde das Spielfeld wieder im Ernstkampf gebraucht. Das Feld wurde auf der Höhe von 40 Zentimetern durch drei mit Glöckchen behangene Schnüre quer geteilt. Beim Torball geht es darum, mit einem akustischen Ball unter den Glöckchen hindurch an drei Gegnern vorbei ins Tor zu treffen, das die ganze Feldbreite einnimmt.

Die Schwierigkeit: Die Spieler können nichts sehen. Die Sportart wurde für blinde und sehschwache Spieler entwickelt, sie wird aber auch von Sehenden gespielt. Für faire Chancen sorgt eine Augenbinde, die alle Spieler tragen. In der Schweiz sind etwa 80 Prozent der Torballspieler sehbehindert. Noah Rizzo vom Torballclub Glarus gehört zu den Sehenden. «Die Unterschiede zwischen Sehenden und Blinden gleichen sich nach wenigen Trainingsstunden aus», sagt er. Das Gehör werde schärfer, und man lerne, sich zu orientieren, da habe der Sehende keine Nachteile. Für die Blinden liege die Schwierigkeit darin, Bewegungsabläufe und die Technik zu lernen, denn sie können nicht bei anderen abschauen.

Mit Kraft und Technik

Eine gewisse Komik ist der Szene nicht abzusprechen, wenn die Spieler für ihren Match das Feld betreten. Drei hilflos wirkende Sportler begeben sich an ihre Position. Doch schnell wird klar, war­um sie Lendenschutz und Knieschoner tragen. Furchtlos werfen sie sich in die Bälle, die mit bis zu 90 Kilometern pro Stunde auf die Körper prallen. Was auf den ersten Blick etwas plump wirkt, verbirgt viel Technik. Die werfende Mannschaft täuscht die Gegner mit Schrittgeräuschen oder einem Ballwechsel auf die andere Feldseite. Die Verteidigung muss rasch reagieren, um keine Lücken für den Ball offen zu lassen. Der Wurf muss schnell und sehr präzis sein. Berührt der Ball die Schnur, muss ein Spieler für einen Wurf der Gegner das Feld verlassen. Während des Spiels muss es in der Halle ruhig sein. Die Schiedsrichter bestehen immer wieder darauf, wenn die Emotionen auf den Zuschauerrängen zu hoch kochen. «Die besten Hallen sind die ruhigen Hallen», sagt Max Bollig vom TG Amriswil. «Diese Halle ist ideal, weil die meisten Zuschauer auf der Galerie hinter den Scheiben sind.»

Abnehmende Zahl der Spieler

Bollig ist Trainer bei Amriswil und ehemaliger Spieler in der Nationalmannschaft. Er kennt die Sportart gut und erklärt in einer Pause die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hat. So sei es zum Beispiel nicht immer möglich, Meisterschaften durchzuführen. «Teams, die sich angemeldet haben, ziehen sich nicht selten zurück. Denn wenn ihr Leader ausfällt, nimmt die Mannschaft oft lieber gar nicht teil, als mit einem schwächeren Spieler anzutreten.» So entstehe eine hohe Fluktuation bei den teilnehmenden Teams. Ein anderes Problem ist die abnehmende Zahl an Torballspielern. Die sehbehinderten Menschen sind laut Bollig untereinander weniger vernetzt und dadurch auch weniger informiert über die Sportart. Der 44-Jährige ist selbst sehschwach.

Am Samstag haben in drei Kategorien immerhin fast 20 Teams teilgenommen. Bollig erreichte mit Amriswil hinter zwei Teams aus Basel den dritten Platz und qualifizierte sich damit für die Schweizer Meisterschaften. Noah Rizzos TB Glarus wurde in der Kategorie U20 Schweizer Meister. In der Kategorie U14 holte Zürich den Titel.

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