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Problemlos, aber auch ziemlich glanzlos

Mit einem 4:0 (3:0) in San Marino holte die Schweiz ihre ersten drei EM-Punkte. Und diesen Match nicht zu gewinnen, war in der Tat ausgeschlossen.

In der 36. Minute tippte Yann Sommer sicherheitshalber einen Flankenball über die Latte seines Tores. Es gab einen Corner und danach einen Kopfball, der weit daneben flog. Es war die erste Szene, in der Sommer beschäftigt wurde – und es sollte auch die letzte sein. Denn die San-Marinesen waren einfach viel zu limitiert, um irgendetwas zustande zu bringen – ausser mit viel Einsatz eine höhere Niederlage zu vermeiden. Sie waren in der Tat so harmlos wie erwartet, einer der letzten «Kleinen» im europäischen Fussball eben. Und so hätte ihre Niederlage wirklich deutlich höher ausfallen müssen, zumal die Schweizer ihre Nerven, sollten sie denn strapaziert gewesen sein, schon nach wenigen Minuten hatten beruhigen können. Bereits nach vier Minuten stand Josip Drmic alleine vor San Marinos Torhüter. Er scheiterte mit seinem Flachschuss noch an Aldo Simoncini. Aber nach zehn Minuten beendete Haris Seferovic die rund 330 Länderspielminuten währende Torflaute: Er lenkte mit dem Kopf mühelos einen Flankenball Pajtim Kasamis ins Tor. Das Ganze war allerdings auch deshalb mühelos, weil der Schiedsrichterassistent Seferovics Abseitsposition übersehen hatte ... Nach einer halben Stunde ... Nach einer halben Stunde war die Pflicht definitiv erledigt, nach einem zweiten Tor Seferovics, dem der Ball im gegnerischen Strafraum eher zufällig auf den Fuss gefallen war. Und nach einem Kopfball Blerim Dzemailis nach einem der Corner Ricardo Rodriguez’. Es war dann allerdings kein Ruhmesblatt für die Schweizer, dass sie sich bis zur 79. Minute mit dem vierten Tor Zeit liessen. Es fiel so spät, weil ihre Angriffsbemühungen zwischendurch so verlangsamt worden waren, dass es nur noch wenige klare Torchancen gab. Man ist geneigt zu sagen, sie seien beinahe eingeschlafen. Erst als sich so eine Viertelstunde vor Schluss ein gewisser Unmut unter den rund 600 Schweizer Fans, welche die gesamte Gegentribüne belegten, breitmachte, schienen sich die Schweizer wieder eines Besseren zu besinnen. Zwar reagierte Xhaka ungehalten auf die Pfiffe von den Rängen. Aber er reagierte kurz danach nach einem abgewehrten Eckball auch mit einem entschlossenen Antritt in den Strafraum hinein und einem präzisen Ball auf Xherdan Shaqiri, der das leere Tor nicht verfehlen konnte. Applaus für Lichtsteiner Ein bisschen mehr wären die Schweizer Fans dann doch gerne unterhalten worden, an einem Abend ohne jeglichen Spannungsgehalt. Doch den letzten Grund, eine Kleinigkeit zu feiern, hatten dann die San-Marinesen auf der Haupttribüne, denn sie sahen in der 89. Minute, wie ihr Torhüter Simoncini einen allerdings ziemlich schwach getretenen Foulpenalty Rodriguez’ abwehrte. Rodriguez war lange Zeit wieder der wirkungsvollste Schweizer gewesen, am Schluss aber reichte selbst seine Kon­zen­tra­tion nicht mehr. Es war allerdings einer der weniger wichtigen Elfmeter, die der sonst nahezu unfehlbare Schütze verschoss. Ganz am Schluss hatte auch noch Stephan Lichtsteiner, der Schweizer Captain des Tages, Grund, sich geehrt zu fühlen. Er, der Rechtsverteidiger des italienischen Meisters Juventus Turin, war schon bei seiner Auswechslung nach einer Stunde mit sehr viel Applaus bedacht worden, das wiederholte sich am Ende. Es gibt offensichtlich manche Juve-Fans in San Marino. So ging ein ziemlich beschaulicher und – vornehm ausgedrückt – wenig aufregender Anlass zu Ende. Mit dem in halbwegs gebührender Höhe herausgespielten Pflichtsieg der Schweiz, die zu keinem Moment in Schwierigkeiten geriet, aber die Momente überzeugenden Fussballs zeitlich doch ziemlich beschränkte. Nach einem solchen Spiel ist in erster Linie mal dar­auf hinzuweisen, es sei die Pflicht erfüllt worden, was nach den zwei unbefriedigenden Leistungen in den ersten Spielen unter Vladimir Petkovic nun wirklich erwartet werden durfte. Anderseits war es keine überzeugende Leistung, aber eben in einem Match, der auch keine überzeugenden Aufschlüsse zuliess. Behrami auf der Bank Aufgestellt hatte Petkovic auf neun Positionen, wie zu erwarten gewesen war. Auf einer zehnten, wie vielleicht weniger erwartet wurde. Und auf der elften, wie man von aussen nicht hatte absehen können. Diese «Überraschung» betraf Valon Behrami, auf den wegen leichter Knieprobleme kurzfristig verzichtet wurde. Er setzte sich nur auf die Bank, für ihn stand Pajtim Kasami erstmals in einem Pflichtspiel in der Startelf. Er gab den zweiten «Achter» neben Blerim Dzemaili, vor dem «Sechser» Granit Xhaka, der also nach Behramis Ausfall die Planstelle des regulären Captains Gökhan Inler übernahm. Dazu stand doch wieder Steve von Bergen als zweiter Innenverteidiger im Team – und nicht Fabian Lustenberger, dem man durchaus eine erste Chance hätte geben können. So war zu den individuellen Leistungen zu sagen: Die Verteidiger hatten keinerlei Probleme, die beiden aus dem Zen­trum sicherten auch gegen diesen Gegner fast nur defensiv ab, anders als die beiden auf den Seiten, von denen Rodriguez wieder mehr Wirkung erzeugte. Xhaka wies nach, ein sehr ballsicherer und disziplinierter «Sechser» zu sein. Aber eben, der Gegner war keine Herausforderung. Kasami machte, vor allem in der Anfangsphase, als er ein Tor vorbereitete und einmal die Latte traf, einen soliden Match. Das galt auch für Dzemaili, der allerdings (zu) oft ausrutschte. Von den Angreifern erledigte Seferovic mit seinen zwei Toren die Pflicht; Shaqiri hatte weniger Szenen, als seiner Klasse entsprochen hätte; und Drmic glückte wieder sehr wenig. Nachfolger Admir Mehmedi war etwas gefährlicher, aber auch er konnte zu wenig das Manko beheben, das auch an diesem Abend zu sehen war: Im Abschluss fehlt es den Schweizern zurzeit schon an Konsequenz. Mehmedi wurde vor dem Elfmeter gefoult, aber nicht mal dieser «Assist» konnte ihm schliesslich gutgeschrieben werden. Rodriguez nahm ihm diesen «Skorerpunkt». Und so fliegen die Schweizer heute nach Hause – mit nur drei statt sechs Punkten. Und im Wissen, im November-Heimspiel gegen Litauen unter Erfolgszwang zu sein. Den haben sie sich in Slowenien eingebrockt.

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