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«Projektchöre sind sehr beliebt»

Nachgefragt bei Hans-Georg Rutz, Chorgesang-Förderung Kanton Zürich.

Wie schlecht ist es um die Männerchöre bestellt? Hans-Georg Rutz: Die Mitgliederzahlen sind im ganzen Land rückläufig, das gilt auch für Kirchenchöre, Jodlerklubs et cetera. Aber ich teile den Pessimismus mancher älterer Herren nicht, weil sich etwas gegen den Mitgliederschwund unternehmen lässt. Aktive Sänger müssen als Vorbilder auf Kinder und Jugendliche zugehen – erst dann folgt Nachwuchs.Das ist leicht gesagt. Funktioniert es denn auch? Ja, das Schweizer Kinder- und Jugendchorfestival etwa zieht über tausend Teilnehmer an. Junge Menschen singen viel und gern! Relativierend muss gesagt werden, dass diese später nicht automatisch einem Männerchor beitreten. Junge Erwachsene suchen den Kontakt zu Gleichaltrigen und schliessen sich lieber dem Chor an der Universität als dem überalterten Dorfchor an. Dieser steckt in einem Teufelskreis: Die Jungen fehlen, und sie kommen nicht, weil es keine Jungen hat. Wollen sich Menschen heute eher projektbezogen engagieren als in einem Verein? Ja, das entspricht dem Zeitgeist. Heutzutage sind Projektchöre sehr beliebt, während Vereine kaum Neumitglieder finden. Einige Chöre haben sich deswegen professionalisiert und bezahlen jetzt für die Sekretariatsarbeit. Hat der klassische Männerchor also ausgedient? In der jetzigen Form bestimmt. Ist der Altersdurchschnitt über 60 Jahre, schafft der Chor keine Verjüngung mehr. Nur schon das Wort Männerchor löst bei vielen negative Assoziationen aus, man denkt an unflexible Senioren und altmodische Lieder. Diese Vorurteile lassen sich abbauen, etwa mit Grosseltern-Enkel-Projekten. Damit können sich aber nicht alle Mitglieder anfreunden, viele klammern sich an Traditionen. Das ist verständlich, doch man muss einsehen: Ihre soziale Funktion in der Gesellschaft haben Männerchöre längst verloren.

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