Zum Hauptinhalt springen

«Protzvilla»: Baubewilligung aufgehoben

Das Verwaltungsgericht gibt den Rekurrenten gegen das Bau- projekt an der Weinbergstrasse recht: Die sogenannte Protzvilla passt nicht in das Quartier. Eine Schlappe auch für das Bauamt.

In unmittelbarer Nähe zur historischen Hegner Trotte sollte ein Einfamilienhaus gebaut werden. Ein länglicher Bau, dessen Schmalseiten zum Hang und zur Strasse zeigen sollten. Zur Weinbergstrasse hin sollte das Haus drei Stockwerke hoch sein, am Hang hinten noch eines. Die Villa hätte in den Hang hineingesetzt werden sollen. Das führte bereits bei der Auflage der Pläne zu Kritik. Grosse Abgrabungen wären dafür nötig, auch lange Pfähle, die ins Erdreich getrieben würden, um den Hang zu stabilisieren. Ein zweiter Punkt sorgte für Unmut: Parallel zum Haus sollte eine Mauer gebaut werden. Man nannte sie Hofmauer, denn zwischen ihr und dem Haus sollte eine Art Terrasse entstehen. Unter dieser war eine Tiefgarage geplant. Diese Mauer sollte rund zwanzig Meter lang und an ihrer höchsten Stelle fünfeinhalb Meter hoch sein – von der Weinbergstrasse her betrachtet, schiene sie allerdings wegen der Hanglage über sieben Meter hoch. Das Bauamt Winterthur erteilte die Baubewilligung. Rekurse abgewiesen Gegen das Bauprojekt gingen mehrere Rekurse ein, deren Hauptstossrichtung war, dass das Einfamilienhaus nicht in das Quartier passe. Man verwies auch auf die Nähe zur denkmalgeschützten Hegner Trotte: Der Neubau störe das historische En­sem­ble aus Hegner und Wülflinger Trotte sowie dem Weinbauernhaus an der Weinbergstrasse 198. Der Zürcher Heimatschutz allerdings hielt sich seinerseits mit Kritik zurück. Er verwies ge­gen­über dem «Landboten» darauf, dass an der Weinbergstrasse bereits über Jahrzehnte zu viel schiefgelaufen sei. Das Baurekursgericht wies die Rekurse ab und die Rekurrenten riefen das Verwaltungsgericht an. Das höchste Zürcher Gericht kommt zu einem grundlegend anderen Befund als das Winterthurer Bauamt und als das Baurekursgericht. «Fehl am Platz» In seinem Entscheid von Mitte Juni, der dem «Landboten» vorliegt, erklärt das Verwaltungsgericht, das geplante Einfamilienhaus sei mangelhaft eingeordnet und die Baubewilligung werde aufgehoben. Zu Fall brachte das Projekt die auffällige Hofmauer. Sie sei «auffällig und überhöht» sowie «in einem Wohnquartier fehl am Platz», kritisiert das Verwaltungsgericht und erklärt: «Die Baute erweckt daher insgesamt den Eindruck eines Gebäudes, das eine wesentlich grössere als die zulässige Baumasse aufweist. Damit vermag es den Gestaltungsanforderungen nicht zu genügen.» Damit bestätigt das Verwaltungsgericht die frühsten Kritiker des Bauprojekts in ihrer Haltung. Doch weshalb erteilte das Bauamt die Baubewilligung, wenn die Faktenlage so klar zu sein scheint? Fridolin Störi, Leiter des Bauamts, sagte auf Anfrage: «Das Verwaltungsgericht hat eine andere Meinung. Ob man das Haus bauen kann oder nicht, wird man sehen.» Auf detaillierte, schriftlich gestellten Fragen des «Landboten» antwortete er nicht. Auch Peter Kunz, der Architekt, der das Bauprojekt ausgearbeitet hatte, ist wortkarg. Denn immerhin befand das Verwaltungsgericht: «Eine – erhebliche – Reduktion der Mauerhöhe verlangt eine grundlegende Überarbeitung des Projekts.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch