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Putin kam nicht zu Nemzows Beerdigung

Die Beerdigung des ermordeten Oppositionspolitikers Boris Nemzow hat die Spaltung der russischen Gesellschaft vor Augen geführt. Weder Präsident noch Regierungschef kamen. Das politische Klima im Land dürfte nun noch rauer werden.

Der russische Oppositionsführer Boris Nemzow, der letzte Woche einem Mordanschlag zum Opfer fiel, ist auf dem Trojekurowo-Friedhof in Moskau beigesetzt worden. Gestern Vormittag wurde der Sarg im Sacharow-Zentrum am Kursker Bahnhof aufgebahrt. Tausende nahmen dort von dem populären Politiker Abschied. Freunde und Gesinnungs-genossen kamen aus Moskau und Nischni Nowgorod, wo der Verstorbene Gouverneur gewesen war. Rigas Bürgermeister, Nil Uschakow, kam aus Lettland. Anwesend war auch der britische Ex-Premier John Major. Wer nicht kam, war Präsident Putin.

US-Botschafter kondoliert

Der Moskauer US-Botschafter John Tefft würdigte die Verdienste Nemzows um Russland und die Verbesserung des amerikanisch-russischen Verhältnisses «nicht nur im Namen von Präsident Obama, sondern auch im Namen vieler Amerikaner». Der EU-Botschafter in Russland, Vygaudas Usackas, kondolierte Nemzows Mutter Dina Ejdman, die gestern 88 Jahre alt wurde, im Namen seiner Kollegen aus allen EU-Ländern, sowie «jener Europäer, denen es nicht erlaubt war, von dem Verstorbenen Abschied zu nehmen». Zwei Abgeordneten des Europaparlaments und dem Chef des polnischen Parlamentsoberhauses, Bogdan Borusevicz, war die Einreise nach Russland verweigert worden.

Putins Fehlen ist ein Signal

Vor dem Hintergrund der internationalen Präsenz glänzte die russische Landesführung durch Abwesenheit. Präsidentensprecher Dmitri Peskow hatte schon am Montagabend dem Rätselraten darüber, ob Putin kommen werde, ein Ende gesetzt. Das Präsidialamt werde bei der Beerdigung durch den Beauftragten des Präsidenten in der Staatsduma, Garri Minch, vertreten sein, sagte er. Die Wahl dieses subalternen Beamten wurde damit begründet, dass «das letzte öffentliche Amt des Verstorbenen das eines Duma-Abgeordneten war». Putins Absage hatte Signalwirkung. Die Vorsitzenden beider Häuser des russischen Parlaments liessen ausrichten, sie seien mit Vorbereitungen für kommende Tagungen voll beschäftigt.

Medwedew blieb im Büro

Die Duma-Fraktionschefs liessen sich entweder krankschreiben oder begaben sich auf Dienstreise. Der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski erklärte, Nemzow und er hätten «auf verschiedenen Seiten der Barrikade gestanden». Zwischen den beiden war es vor laufenden Fernsehkameras zu Handgreiflichkeiten gekommen. Die Kommunisten entsandten dagegen prominente Vertreter ins Sacharow-Zentrum. Nemzow sei zwar ihr Gegner gewesen, aber Opfer des Regimes geworden, hiess es. Dmitri Medwedews Sprecherin antwortete am Montag auf die Frage, ob der Regierungschef kommen werde: «Sie werden es sehen.» Er kam nicht.

Keine Lockerung in Sicht

Putins Fehlen bei Nemzows Beerdigung wird als Zeichen dafür gewertet, dass keine Lockerung gegenüber der Opposition zu erwarten sei. Ein weiteres Indiz dafür: Der Korruptionsjäger Alexei Nawalny, der wegen oppositioneller Agitation im Arrest sitzt, hatte gebeten, an der Trauerzeremonie teilnehmen zu dürfen. Die Bitte wurde abgelehnt. Derweil durfte Nemzows Freundin Anna Durizkaja, die während des Mordanschlags neben ihm gestanden war, endlich Moskau verlassen und zu ihrer kranken Mutter nach Kiew fliegen. Die Ermittler hatten versucht, sie weiter festzuhalten, mussten aber nach einer Intervention des ukrainischen Konsuls einlenken.

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