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Quellwasser mit gekillten Keimen

In den Quellwasserbrunnen im Stadtwald tummelten sich zu viele Fäkalbakterien. Das Forstamt und Stadtwerk wählten einen einfachen und einen modernen Ansatz, um sich der Keime zu entledigen.

Fäkalkeime kommen in Schwimmbädern, Krankenhäusern oder Wasserspendern vor. Aber in Brunnen, aus denen Quellwasser fliesst, hätte man sie wohl weniger vermutet. Ist ihre Kon­zen­tra­tion zu hoch, können sie bei Menschen Bauchschmerzen auslösen, gefolgt von Durchfall. Beim städtischen Forstbetrieb war die Überraschung gross, als man 2011 bei Routinekontrollen in neun von zehn Quellwasserproben aus den Brunnen im Stadtwald solche Coli-Bakterien fand. «Damit hatten weder der Forstbetrieb noch wir gerechnet», gibt Urs Buchs von Stadtwerk zu. Die Werte seien allerdings keineswegs alarmierend gewesen. Doch das schweizerische Lebensmittelgesetz lasse hier keinen Spielraum. Schilder mit der Beschriftung «Kein Trinkwasser» forderten Spaziergänger fortan dazu auf, ihren Durst anderswo zu löschen. Quellen zu wenig tief gefasst Doch wie kommen die unappetitlichen Bakterien in die Quellen des Stadtwaldes? Die Antwort dar­auf fällt lapidar und doch unerwartet aus: «Durch das tägliche Geschäft von Mensch und Tier in freier Natur», sagt Buchs. Allein auf einem Hundehaufen tummelten sich Milliarden solcher Keime. Regne es, verdünne sich der Kot und versickere im Boden. Doch die tatsächliche Ursache des Problems liegt woanders. «Die Quellen wurden zu wenig tief gefasst», sagt Buchs. Da die Fassungsleitungen im Wald zu wenig tief unter dem Boden verlaufen, speichere der Waldboden das Quellwasser zu wenig lange, um es ausreichend filtern zu können. Ein Teil der Keime wandere deshalb ungefiltert in die Brunnenschächte. Doch egal, wie tief die Sickerrohre versenkt seien: Es bleibe definitiv ein Mythos, dass Quellwasser sauberer als Grundwasser sei. Sämtliche Schächte und Rohre neu zu verlegen, wäre mit einem «hohen fünfstelligen Betrag» pro Fassung definitiv zu aufwendig und zu teuer gewesen. Günstiger war es, einem Teil der Brunnen neue Funktionen zu geben: Zwei dienen nun als Hundetränken, zwei sind zu Biotopen umfunktioniert worden. Und bei fünf Brunnen reichte es aus, die Schachtdeckel zu ersetzen. Den Stadtrat und Parlament dürfte es freuen. Statt der bewilligten 80 000 fielen nur 50 000 Franken an Kosten an. UV-Strahlung gegen die Keime Ein anderes Vorgehen wählte man bei einem Brunnen an der Eschenbergstrasse: Hier rückt man den Keimen mit Ultraviolett-Strahlung zu Leibe, damit im Forstwerkhof wieder sauberes Wasser fliesst. Das Prinzip: Eine UV-Lampe bestrahlt in einem kleinen Schacht das Quellwasser, das durch einen Chromstahlzylinder fliesst, mit 200 bis 300 Nanometer kurzen Wellen. Bei Menschen können die UV-Strahlen der Sonne Hautkrebs erzeugen, indem sie das Erbgut mutieren lassen. Die DNA der Coli-Bakterien verändern sie so, dass diese sich nicht mehr vermehren können und sterben. «Es ist eine moderne Methode der Wasserdesinfektion», sagt Buchs. Die chemische Alternative mit Chlor sei nicht in Frage gekommen, «erstens wegen des typischen Geschmacks, zweitens wegen der chemischen Nebenprodukte, die dabei entstehen». Bis im Januar wird die 10 000 Franken teure Anlage im Eschenberg-wald installiert. «Bis dahin bringen wir unsere Wasserflaschen weiterhin selbst mit», sagt Stadtforstmeister Beat Kunz. Aus der Zeit vor 2011 sind ihm keine Personen bekannt, die wegen der Bakterien an Durchfall erkrankten.

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