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Querulanten vor die Tür gestellt

Er beschimpfte das Personal und störte die Lernenden in der Studienbibliothek. Nun hat die Bibliotheksleitung gegen einen Querulanten ein Hausverbot verhängt.

Während der Sommermonate bleiben die Türen der Winterthurer Bibliotheken für einen Stammgast geschlossen. Gegen den Erwachsenen wurde im Juni ein dreimonatiges Hausverbot ausgesprochen, nachdem er zuvor mehrfach verwarnt worden war. ­Eigentlich hätte die Sperre nur eine Woche dauern ­sollen. Doch nach der schriftlichen Eröffnung des Hausverbots verlor der leicht reizbare Bibliotheksgänger die Fassung und drohte ein Donnerwetter an, wenn er in die Studienbibliothek zurückkehre. Dort, in den Studienräumen im Dach­stock des Museumsgebäudes, verkehrte er über mehrere Monate und fiel nicht nur dem Personal negativ auf. Studierende, die in der Bibliothek für ihre Prüfungen büffeln, beschreiben den Umgang mit dem um rund 20 Jahre älteren Mann als schwierig. Er habe im Studienraum keine Personen an den ­Tischen neben, vor oder hinter sich geduldet und sich hinter mitgebrachten Kartonwänden verschanzt. Setzte sich jemand in seine Nähe, habe er diese Person angestarrt und auf Nachfrage, ob etwas sei, mit Empörung reagiert. «Er legte ein kurioses Revierverhalten an den Tag», sagt eine Studentin. Zudem habe er am Abend nach der Durchsage, dass die Bibliothek in einer Viertelstunde schliesse, jeweils de­mon­s­trativ seine Sachen zusammengeräumt, so als müssten alle seinem Beispiel folgen. Der Mann habe «das Personal mehrfach aufs Übelste beschimpft», beschreibt Hermann Romer, der Gesamtleiter der Winterthurer Bibliotheken, den Fall. Dies auch, nachdem erste Sanktionen verhängt worden seien. Die Bibliotheksmitarbeiter reagieren auf nicht tolerierbares Verhalten zunächst mit einer Wegweisung, quasi einem Hausverbot für einen Tag. In der Regel reicht das, um die Spielregeln klarzumachen. Fälle, die nach weiteren Massnahmen verlangen, sind selten. Romer spricht von einem halben Dutzend pro Jahr. Ein übereinstimmendes Muster der Störenfriede gebe es nicht. «Wir hatten schon alles Mögliche, zum Beispiel Leute, die grundlos herumgeschrien haben.» Angesichts von gut 30 000 Bibliotheksnutzern müsse man auf alles gefasst sein. Anzeige aufgeschoben Ein Teil der Hausverbote ist gemäss Romer auf Diebstahlversuche zurückzuführen. Auch Drogen wurden schon in der Bibliothek konsumiert oder gehandelt. In solchen Fällen würden die Fehlbaren angezeigt. «Da sind wir absolut strikt, bei uns gehen Kinder und Jugendliche ein und aus.» Im Falle des nun gesperrten Querulanten hat Romer auf rechtliche Schritte vorerst verzichtet. «Wir versuchen immer, nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu handeln.» Man hoffe, dass der Mann in Zukunft nicht mehr negativ auffalle. Ansonsten müsse er sich eine Strafanzeige wegen Drohung und Beleidigung überlegen, sagt Romer. Er betont, die Bibliothek sei eine offene Institution, in der jeder willkommen sei. «Wir wollen nicht die Polizei sein, die ein striktes Regime durchsetzt.» Es sei aber nicht tolerierbar, dass Einzelne versuchten, «den Raum Bibliothek für sich zu vereinnahmen, und dabei andere Personen bei der Nutzung behindern».

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