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Quintana, der neue kolumbianische Bergkönig

Nairo Quintana ist die Entdeckung dieser Tour de France. In der 18. Etappe hinauf nach L’Alpe d’Huez stiess der 23-jährige Kolumbianer auf Platz 3 der Gesamtwertung vor. Er ist das Aushängeschild einer neuen Generation kolumbianischer Spitzenfahrer.

Eigentlich hätte er in der Jubiläumstour nur Alejandro Valverde als Helfer zur Seite stehen müssen. Doch weil der Spanier schwächelt, findet sich Quintana beim Movistar-Team plötzlich in der Rolle des Leaders wieder. Und er löst die Aufgabe mehr als gut. In den Bergen hinterlässt er zusammen mit dem unangefochtenen Führenden Christopher Froome den stärksten Eindruck. Und im Gesamtklassement ar­bei­te­te sich Quintana in den letzten Tagen Platz für Platz vor. Nun ist er drauf und dran, als erster Kolumbianer seit Fabio Parra vor 25 Jahren die Tour de France auf dem Podest abzuschliessen.

Dass Quintana überhaupt als Spitzensportler tätig sein kann, grenzt an ein medizinisches Wunder. Nach der Geburt diagnostizierten die Ärzte eine seltene Krankheit; seine Lebenserwartung betrug lediglich drei Jahre. Eine Wunderheilerin soll Quintana mit einer Kräutermischung angeblich geheilt haben. Gut 20 Jahre später legt Quintana an der 100. Tour de France die Basis zu einer Zukunft als vielleicht grosser Radprofi – oder zumindest als neuer Bergkönig.

Nach seinem 4. Rang in der 18. Etappe und dem Vorstoss auf den Podestplatz strahlte Quintana über beide Ohren: «Es ist unglaublich. Ich habe zwar die Etappe nicht gewonnen, aber ich bin überglücklich. Diesen 3. Rang will ich nun auf den letzten Etappen unbedingt verteidigen.» Die 13,8 km lange Schlusssteigung auf die Alpe d’Huez bewältigte Quintana gestern in 39:49 Minuten als schnellster aller Fahrer.

Kein Geld für den Bus

Die Grundlagen für seine Qualitäten als Bergfahrer legte der nur 1,67 m grosse und 59 kg schwere Quintana in der Schule. Seine Eltern bestanden darauf, dass ihr Nairo eine gute Schule besucht. Den Bus dahin können sie sich jedoch nicht leisten. Also fährt der kleine Quintana die 18 km lange Strecke jeden Tag mit einem alten Mountainbike hin und zurück. Die Steigung auf dem Heimweg beträgt 8 Prozent, fast so steil wie die schwierigsten Rampen auf die Alpe d’Huez.

Sein Talent wird bald entdeckt. 2010 gewinnt er die Gesamtwertung und zwei Etappen der Tour de l’Avenir. Zwei Jahre später erhält er einen Vertrag bei der World-Tour-Equipe von Movistar, für die er gleich in seinem ersten Jahr sechs Siege einfährt. Und nur ein weiteres Jahr später hält er an der 100. Tour de France bereits mit den Besten mit.

In den 80er-Jahren besassen die Kolumbianer eine erste grosse Fahrergeneration. Lucho Herrera etwa gewann 1984 auf der Alpe d’Huez, indem er dem grossen Franzosen Bernard Hinault davonfuhr. Nach einer jahrelangen Baisse macht sich nun eine nächste Generation auf, den kolumbianischen Radsport in ungeahnte Höhen zu hieven – dank Quintana, aber auch Fahrern wie Rigobert Uran oder Carlos Betancur (2. und 5. im Giro d’Italia). In der Nationenwertung der World Tour war Kolumbien vor der Frankreich-Rundfahrt hinter Spanien bereits auf Platz 2 klassiert. (spg)

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