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Radikaler Blick

Mit seinem Fotoband «Les Américains» (1958) ist er bekannt geworden: Robert Frank wird am Sonntag 90 Jahre alt.

Für den Band «Les Américains», der 1959 mit einem Vorwort von Jack Kerouac auch unter dem Titel «The Americans» erschien, wählte Robert Frank 83 aus 28 000 Fotos aus. Entstanden waren die Bilder während einer Reise durch die USA, die ihm die Guggenheim-Stiftung mit einem grosszügigen Stipendium ermöglicht hatte. «Was ich vorhabe, ist das Beobachten und Aufzeichnen dessen, was ich als ‹neuer› Amerikaner sehen werde», hatte Frank in seiner Bewerbung für das Stipendium geschrieben.

Was Frank präsentierte, war tatsächlich ein radikal subjektiver Blick auf das Nachkriegsamerika. «Les Américains» zeigt eindringlich die Kehrseite des «American way of life». Die blendende Fassade weicht einem harten Realismus. Krasse Gegensätze dominieren die Bildfolge: hier das glorreiche Amerika und gleich daneben die Schatten: Armut und Depression.

Der Querschnitt zeigt ungeschminkt, was Frank während seiner mehr als einjährigen Reise durch 48 Bundesstaaten beobachtete: Szenen in Grossstädten und in der Provinz, Interieurs von Bars, Restaurants und Friseursalons. Immer wieder stellt er Menschen in den Mittelpunkt, etwa eine Liftfrau in einem Hochhaus in Florida.

Im Vorbeigehen

Das technisch Neue an Franks Fotografie war der wandernde Blick. «Früh zeigte Frank, wie man Dinge beim Vorbeigehen besser erkennt, als wenn man sie anstarrt. Die Fotografie vor ihm war statisch. Er prägte den Unterwegs-Blick», sagte Urs Stahel, Direktor des Fotomuseums Winterthur, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung «Storylines» von 2005.

Robert Frank emigrierte nach seinen Zürcher Jahren 1947 nach New York. Er ar­bei­te­te als Studienfotograf bei «Harper’s Bazaar», bevor er Südamerika, Europa und die USA bereiste und seinen einzigartigen beweglichen und erzählerischen Stil entwickelte. Seine Bilder erschienen in zahlreichen Zeitungen und Illustrierten.

1958 gab Frank die Fotografie für Jahre zugunsten des Films auf. Er drehte Filme wie «Pull My Daisy» (1959), «The Sin of Jesus» (1961) oder «Cocksucker Blues» (1972), der radikal-realistisch eine Tournee der Rolling Stones dokumentiert. sfd

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