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Red Bulls Erfolg an zwei Fronten

Nicht Sebastian Vettel hat die Siegesserie von Mercedes gestoppt, sondern Daniel Ricciardo. Der Red-Bull-Fahrer gewann in Montreal das beste Formel-1-Rennen des Jahres nach einem packenden Fünfkampf vor Nico Rosberg.

In der Formel-1-WM war Mercedes bisher unerreichbar, und auch im Grossen Preis von Kanada hatten die Autos von Nico Rosberg und Lewis Hamilton nach einer haarigen Berührung beim Start bald einmal mehr als 20 Sekunden Vorsprung. Dann aber war Schluss mit ihrer Vollkommenheit. Als Folge einer Überhitzung der elektronischen Kontrollbox verloren beide Silberpfeile fast gleichzeitig die 160 Zusatz-PS aus dem Hybridsystem und die Bremsbalance.

Der aus der Poleposition gestartete Rosberg konnte die Führung trotz dieses schweren Handicaps bis in die zweitletzte Runde verteidigen und rettete sich als Zweiter hinter Daniel Ricciardo, der seinen ersten Grand-Prix-Sieg feierte, ins Ziel. Hamilton dagegen sah sich ohne Bremswirkung zum zweiten Mal nach Melbourne zur Aufgabe gezwungen und liegt im Kampf um den Titel nun schon 22 Punkte zurück.

Da Rosberg nur noch im Spargang unterwegs war und die Verfolger aufschliessen konnten, durften sich die 100 000 Fans auf dem Circuit Gilles Ville­neuve über das spektakulärste Finale seit langem freuen. Rosberg, der unglaubliche Reifenschoner Sergio Pérez im Force India, Ric­ciardo im Red Bull-Renault, Vettel und Felipe Massa im Williams gingen, nur um Sekundenbruchteile getrennt, mit dem Sieg vor Augen auf die letzten Runden.

Viele Zwischenfälle

Die geschickt vorgetragenen ultimativen Angriffe von Ricciardo konnten weder Pérez noch Rosberg parieren, und auch der beim Boxenstopp erneut hinter seinen Red-Bull-Teamkollegen zurückgefallene Vettel kam noch an dem von den Bremsen im Stich gelassenen Pérez vorbei. Als auch Massa dieses Manöver riskierte, kam es zur heftigen Kollision, die beide um die Früchte ihrer Anstrengungen brachte. Mit Ausnahme von Prellungen blieben sie aber unverletzt. Mehr schmerzte Pérez, dass er als zu spät bremsender Unfallverursacher bestraft wurde und im nächsten Rennen um fünf Startplätze zurückversetzt wird.

Erster Profiteur des bedrohlichen Unfalls war Jenson Button, der im erneut enttäuschenden McLaren-Mercedes kurz vor Schluss noch hoffnungslos auf Platz 9 dahinvegetiert hatte, dann aber Waltteri Bottas im Williams sowie die sich duellierenden Nico Hülkenberg und Fernando Alonso austricksen konnte und noch Vierter wurde.

Die letzten WM-Punkte gingen als Folge der vielen Zwischenfälle an die vorher farblosen Jean-Eric Vergne im Toro Rosso, Kevin Magnussen im McLaren und den in seinem 200. WM-Lauf restlos bedienten Kimi Räikkönen. Das zweite Ferrari-Engagement des finnischen Ex-Weltmeisters droht zum Fiasko zu werden und könnte auch ein vorzeitiges Ende finden.

Niederlage für Ferrari

Auch hinter den Kulissen hat Ferrari eine bittere Niederlage erlitten. Der als Retter ins Auge gefasste Meistermacher Adrian Newey hat ein fürstliches Angebot der Italiener abgelehnt und sich längerfristig an Red Bull gebunden, womit das Unternehmen von Dietrich Mateschitz an einer anderen Front einen Sieg feierte.

Neweys künftige, bestimmt nicht schlechter bezahlte Rolle wird weit über das Formel-1-Team hinausgehen und auch mit neuen, ehrgeizigen Projekten von Red Bull verbunden sein. Details könnten schon in zwei Wochen am ebenfalls von Red Bull organisierten GP von Österreich pu­blik gemacht werden.

Eine ganz andere Ankündigung steht bei Ferrari im Raume. Wenn Präsident Luca di Montezemolo und Teamchef Marco Mattucci konsquent bleiben, müssen sie in Ermangelung der geforderten Verbesserungen die Reissleine ziehen, die Saison abhaken und sich schon jetzt auf 2015 konzentrieren.

Saubers Korb wieder leer

Das würden auch die Kundenteams von Ferrari zu spüren bekommen. Zu diesen gehört Sauber, das in Kanada wieder untendurch musste.

Der sichtlich demotivierte Adrian Sutil sah zwar endlich wieder einmal die Zielfahne, wurde aber als Einziger überrundet und fuhr nur auf Platz 13. Esteban Gutiérrez hatte wegen eines erneuten Ausrutschers im dritten Training das Qualifying verpasst, musste als Letzter aus der Boxenstrasse starten und wurde sechs Runden vor Schluss, auf Platz 14, vom Team aus dem Rennen genommen, weil seine Batterie nicht mehr geladen werden konnte.

«Ein enttäuschendes Wochenende mehr, weil wir das, was wir uns vorgenommen haben, nicht umsetzen konnten. Die Rundenzeiten waren langsamer als erwartet», gestand Teamchefin Monisha Kaltenborn. Die Stimmung war schon besser in Hinwil. Noch gibt es aber Luft nach oben. Da von den direkten Konkurrenten einzig Toro Rosso punktete, hielt sich der Schaden in Grenzen. Um wenigstens Marussia und die ebenfalls in Bedrängnis geratene Lotus-Truppe wieder überholen zu können, ist eine markante Leistungssteigerung aber unabdingbar. Dass Sutil nach einem guten Start anfänglich das Tempo von Button, Hülkenberg und Magnussen mitgehen konnte, war kein Trost. Geerntet wird erst am Schluss, doch der Korb blieb wieder leer. Peter Lattmann

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