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Risiko für Rückrufe nimmt zu

Die Rückrufaktion von Toyota ist kein Einzelfall. Laut Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management sind in den USA noch nie so viele Autos zurückgerufen worden wie 2013.

Der japanische Autobauer Toyota startet vier Jahre nach einer aufsehenerregenden Pannenserie erneut eine gewaltige Rückrufaktion. Weltweit seien 6,58 Millionen Autos betroffen, teilte Toyota gestern mit (siehe Text oben). Auch 2009 und 2010 mussten die Japaner massenhaft Autos in die Werkstätten zurückrufen. Der Grund dafür waren damals klemmende Gaspedale und rutschende Fussmatten, welche die Pedale blockieren konnten. Bei Unfällen sollen deswegen mehrere Menschen ums Leben gekommen sein. Das liess nicht nur die Verkäufe einbrechen. Es hatte auch Ermittlungen der US-Justiz zur Folge. Toyota wurde vorgeworfen, das Ausmass der Mängel vertuscht und die Öffentlichkeit wiederholt belogen zu haben. Erst kürzlich stimmte der Autobauer einem Vergleich zu und bezahlt 1,2 Milliarden Dollar, um ein Strafverfahren abzuwenden. Toyota ist aber keineswegs der einzige Konzern, der mit Qualitätsproblemen kämpft. In den vergangenen Jahren waren eine ganze Reihe von Autoherstellern zu gross angelegten Rückrufaktionen gezwungen, weil bei Bauteilen Mängel aufgetreten waren (siehe Kasten). Zuletzt musste sich Mary Barra, die Chefin von General Motors (GM), vergangene Woche einem Verhör im US-Kongress stellen. GM soll wider besseres Wissen fehlerhafte Zündschlösser eingebaut haben, welche mindestens 31 Unfälle mit 13 Todesopfern zur Folge hatten. Der Grund: Der Zündschlüssel drehte sich zu leicht in die Aus-Position, sodass Airbag, Servolenkung oder Bremskraftverstärker versagten. GM hat deshalb mittlerweile 2,6 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen. Stefan Bratzel (Bild), Leiter des Center of Automotive Management an der Fachhochschule Bergisch Gladbach, verfolgt die Rückrufaktionen der Autohersteller seit Jahren. In seiner jüngsten Studie zum US-Markt weist er dar­auf hin, dass die zunehmende technische Komplexität, schnellere Entwicklungszyklen und der steigende Kostendruck das Rückrufrisiko für Autohersteller erhöhen. Mit der Baukastenstrategie, bei der die gleichen Bauteile in möglichst vielen Modellen eingebaut werden, liessen sich zwar Produktionskosten einsparen. Erweist sich ein solches Bauteil aber als fehlerhaft, drohten besonders grosse und damit kosteninten­sive Rückrufaktionen. Von Produktemängeln sind vor allem die Elektronik, Sicherheitssysteme wie Airbags oder der Antriebsstrang betroffen. Unter die Lupe genommen hat Bratzel den US-Automarkt, weil dieser ­aufgrund seiner Absatzgrösse und der relativ scharfen Sicherheitsrichtlinien «ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität der Automobilekonzerne» sei. 2013 sind dort über 20,5 Millionen Autos in die Werkstätten zurückbeordert worden. Das sind fünf Millionen mehr als im Vorjahr. Die höchste Rückrufquote hatte 2013 der koreanische Hyundai-Kia-Konzern, der 2,7 Millionen Fahrzeuge zurückrief. Die folgenden Plätze belegen Fiat-Chrysler, Toyota, BMW und Honda.

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