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Rohölimporte wie vor der Revolution

BERN. Libyen ist wieder der wichtigste Rohöllieferant der Schweiz. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr liegen die Importe im ersten Halbjahr sogar über dem Wert von 2009.

Im Jahr 2009, als in Libyen Diktator Muammar al-Gaddafi noch fest im Sattel sass und von Arabischem Frühling nicht einmal der Hauch einer Ahnung in der Luft lag, stammten 30,2 Prozent der Schweizer Rohölimporte aus dem nordafrikanischen Land. Ein Jahr später waren es dann nur noch 17,4 Prozent, wie Zahlen der Schweizer Erdölvereinigung zeigen. Grund für den Rückgang war damals das allgemeine Handelsembargo gegen die Schweiz, das Gaddafi nach der diplomatischen Krise um die festgehaltenen Schweizer Geschäftsleute Max Göldi und Rachid Hamdani im März 2010 erlassen hatte. Das Volumen von aus Libyen importiertem Rohöl sackte dar­auf auf 790 594 Tonnen zusammen.

Der komplette Einbruch erfolgte im Jahr 2011, nachdem im Februar die libysche Revolution begonnen hatte und das Land nach und nach in einen blutigen Bürgerkrieg schlitterte. Mit 193 118 Tonnen kamen nur noch 4,5 Prozent der Schweizer Rohölimporte aus Libyen. Kasachstan und Aserbaidschan sprangen in die Bresche und deckten zusammen über 60 Prozent des Schweizer Rohölbedarfs. Nun haben die beiden früheren Sowjetrepubliken wieder das Nachsehen, wie die neuesten Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung zum Schweizer Aussenhandel belegen. So machten die Rohölimporte aus Libyen im ersten Halbjahr 2012 mit 760 817 Tonnen bereits wieder fast das Fünffache der kasachischen und mehr als das Neunfache der aserbaidschanischen Importe aus. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr liegen die Importe sogar über dem Wert von 2009.

Besser als kasachisches Öl

«Der Grund dafür ist einfach», erklärt Philippe Cordonier, Leiter Brennstoffe bei der Schweizer Erdölvereinigung. «Der Raffinerie- und Tankstellenbetreiber Tamoil Schweiz importiert seit Ende letzten Jahres wieder Rohöl aus Libyen.» Da dieses zudem von sehr guter Qualität sei, werde es etwa dem kasachischen Rohöl vorgezogen. Entscheidend sei dabei zum einen der Schwefelgehalt, der möglichst tief sein sollte, zum anderen das Ausmass, in dem das Rohöl den Bedarf des jeweiligen Landes an Fertigprodukten wie Diesel, Heizöl oder Schweröl decken könne.

Gute Beziehungen nach Libyen

Zudem könne Tamoil von einem besseren Zugang zu libyschem Öl profitieren als andere Unternehmen, so der Vertreter der Schweizer Erdölwirtschaft. Recherchen zeigen, dass Tamoil Schweiz über verschiedene Zwischenfirmen noch immer mit dem libyschen Staatsfonds verbunden ist. Allerdings mache das in Schweizer Raffinerien verar­bei­te­te Rohöl nur rund 40 Prozent der Schweizer Ölimporte aus, sagt Cordonier. 60 Prozent seien bereits verar­bei­te­tes Öl, das über Raffinerien in Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich in die Schweiz gelange.

In der Schweiz gibt es zwei Raffinerien: einerseits jene von Tamoil in Collombey im Kanton Wallis und anderseits die kürzlich vom weltgrössten Ölhändler Vitol und Petroplus-Gründer Marcel Van Poecke übernommene Anlage im neuenburgischen Cressier. In Letzterer wird gegenwärtig kein Rohöl raffiniert, nachdem die einstige Besitzerin Petroplus wegen finanzieller Schwierigkeiten den Betrieb herunterfahren musste.

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