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Rolf Erbs Schuldenberg ist auf 6,5 Milliarden angewachsen

Am heutigen vierten Prozesstag hielt Gläubigeranwalt Matthias Hotz sein Plädoyer. Erstmals ist bekannt geworden, dass Erb seinen Gläubigern nicht wie bisher angenommen 3,5 sondern rund 6,5 Milliarden Franken schuldet.

Er stehe vollumfänglich hinter dem Urteil des Winterthurer Bezirksgerichts gegen Rolf Erb und hinter den Staatsanwälten. Deshalb halte an seinen Forderungen fest, sagte Gläubigeranwalt Matthias Hotz am heutigen vierten Prozesstag in seinem Plädoyer. Vor dem Zürcher Obergericht vertritt er die Interessen verschiedener geschädigter Banken wie der UBS und der Credit Suisse, aber auch diejeniegen der Autofirma Mitsubishi, des Kantons Zürich sowie der Stadt Winterthur. Diese fordern als Privatkläger, dass verschiedene Vermögenswerte, unter anderem Schloss Eugensberg im thurgauischen Salenstein, das Zentrum Töss und die Villa Wolfensberg, zurück in die Konkursmasse der Hugo Erb AG fliessen.Für Gläubigeranwalt Hotz steht ausser Frage, dass Rolf Erb betrogen hat. So soll die Schenkung im Jahr 2003 von Schloss Eugensberg an seine damals zehn Monate alten Zwillingssöhne vor dem Hintergrund des drohenden Konkurses erfolgt sein. Das Schloss gehörte bis dahin der Firma. «Bezahlt hat Rolf Erb für das Schloss nie», sagte Hotz heute morgen. Auch Bauarbeiten, die erst nach der Schenkung durchgeführt wurden, seien über die Hugo Erb AG abgerechnet worden. Rolf Erb liess das Anwesen für mehrere Millionen renovieren, das in den 90er-Jahren in den Besitz der Erb-Gruppe gekommen war. Aber auch ein Kindermädchen für seine Zwillingssöhne soll über die Firma abgerechnet worden sein.

Erb versteckt sich hinter Revisionsstelle

Es gäbe Forderungen von mehreren Milliarden Franken, fasste Hotz nochmals zusammen. Bis anhin war die Rede von 3,5 Milliarden Franken. Wie erst heute bekannt wurde, hat sich die Summe mittlerweile auf 6,5 Milliarden Franken erhöht. Darunter dürften teilweise aber auch Forderungen sein, die nicht zugelassen sind. Alleine dem Steueramt der Stadt Winterthur schuldet er einen Betrag von 12 Millionen Franken. Für Hotz ist klar, dass Erb bewusst Vermögensminderung betrieben hat. Schon Jahre vor dem Kollaps sei die Lage der Erb-Gruppe hoffnungslos gewesen, sagte er. «Daran ändern auch die langfädigen Ausführungen der Verteidiger nichts.» Der 62-Jährige mache es sich gar einfach, wenn er sich als ehemaliger Chef hinter der Revisionsstelle verstecken und vom drohenden Kollaps nichts gewusst haben wolle.

Verteidiger fordert Freispruch und Genugtuung

Erbs Verteidiger Lorenz Erni sieht dies anders: Rolf Erb sei in allen Anklagepunkten unschuldig, weil für ihn nicht ersichtlich gewesen sei, wie es um die Firma stand. Das Sagen hätte allein Vater Huge und sein Buchhalter Albert Manser gehabt. Es habe für Rolf Erb keinerlei Grund gegeben, Banken zu betrügen, weil es der Erb-Gruppe bis zum Kollaps gut gegangen sei, sagte er gestern. Um diese Aussagen zu untermauern, präsentierte er vor Gericht eine neues Privatgutachten.Zum Abschluss seines Plädoyers forderte Erni nebst einem vollumfänglichen Freispruch auch eine «angemessene Genugtuung». Der 62-Jährige stehe seit der Erb-Pleite im Fokus der Öffentlichkeit und sei dadurch einer ständigen Medienhetze ausgesetzt. Er leide unter der langen Untersuchung. Daneben fordert Erb auch, dass ihm die Kosten für das private Gutachten zurückerstattet werden.Heute Nachmittag haben dann nochmals die Staatsanwälte das Wort. Erwartet wird, dass sie zu den in den Plädoyers gemachten Vorwürfen Stellung nehmen und nochmals auf den Betrugsfall Mitsubishi zu sprechen kommen.

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