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Romney im Zwist mit Abtreibungsgegner

washington. Der erzkonser­vative Todd Akin will für die Republikaner in den Senat. Seine Kandidatur könnte Romney gegen Obama schaden.

Todd Akin denkt nicht daran, das Handtuch zu werfen. Während ihn praktisch das gesamte Establishment der Republikaner zum Verzicht auf seine Senatskandidatur drängt, sieht sich der Mann aus Missouri in der Rebellenrolle, als ein tapferer Recke im Kampf gegen Abtreibungen. «Da benutzt du einmal ein falsches Wort, sagst einmal einen falschen Satz, und schon wenden sich alle gegen dich», klagte der 65-Jährige. Und was Mitt Romney angehe, so möge er sich doch bitte um seine eigene Kam­pa­gne kümmern.

Es brennt unter dem Dach der Grand Old Party, und das ausgerechnet vor dem Nominierungskonvent nächste Woche in Tampa, wo Romney offiziell zum Bewerber fürs Weisse Haus gekürt werden soll. Auf solchen Kongressen kurz vor der Wahl mag die Regie keine langen Debatten, schon gar keine kon-troversen. Alles soll sich um den Spitzenmann drehen, möglichst harmonisch und patriotisch und mit einem Hauch Hollywood. Schon vom Timing her hat Akin, einer der konservativsten Abgeordneten des Repräsentantenhauses, seiner Partei einen Bärendienst erwiesen, so jedenfalls sieht es Romney. Geht es nach dem kühlen Pragmatiker aus dem liberalen Boston, sollen Reizthemen wie Abtreibung und Schwulenehe im Wahlkampf nur eine Randrolle spielen, eindeutig im Schatten des wirtschaftspolitischen Diskurses. Nun droht ihm ein obskurer Nebendarsteller aus der tiefsten Provinz einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen.

«Legitime» Vergewaltigungen

In einem Fernsehinterview hatte Akin von «legitimen» Vergewaltigungen gesprochen und hinzugefügt: «Wenn es sich um eine echte Vergewaltigung handelt, hat der weibliche Körper Möglichkeiten, die ganze Sache abzustellen.» Die unsinnigen Bemerkungen lösten zu gleichen Teilen Schock und Spott aus. Kolumnisten schreiben von einem Gottesgeschenk an Barack Obama, der nun schwankende Wählerinnen auf seine Seite ziehen könne. Akin, das perfekte Feindbild, die perfekte Klammer, die das liberale Amerika vereint und mobilisiert. Der frühere Ingenieur möchte Senator werden, und bis zu dem abstrusen Satz lag er gut im Rennen. Claire McCaskill, seine demokratische Rivalin, seit 2007 in der kleineren der beiden Parlamentskammern vertreten, leidet unter einer Art Amtsinhabereffekt: Angesichts hoher Arbeitslosigkeit und bedrohlicher Haushaltdefizite haben Herausforderer zurzeit oft die besseren Karten. Gewinnt ein Konservativer in Missouri, könnte es dazu beitragen, die Mehrheit im US-Senat kippen zu lassen. Umso unverblümter drängen die alarmierten Parteigranden auf Ersatz für den allseits blamierten Akin.

Es liege nicht im nationalen Interesse, dass er im Rennen bleibe, teilten fünf konservative Senatoren seines Bundesstaats, aktuelle und ehemalige, dem Rechtsaussen kurz und knapp mit. Akin solle einfach auf den Rat seiner Kollegen hören, legte Romney nach. Worauf sich der Bedrängte erst recht auf die Hinterbeine stellt. «Beim ersten Kanonendonner rennen alle sofort in Deckung.»

In Wahrheit geht es nicht nur um eine verbale Entgleisung, sondern um alte Machtkämpfe in den Reihen der Republikaner, einer Koalition, die grob skizziert drei Flügel vereint: Unternehmer, religiöse Aktivisten und Sicherheitspolitiker, für die militärische Stärke obenan steht. Romney, der Favorit des Wirtschaftsflügels, fremdelt mit dem religiösen Milieu – und muss dennoch an Kompromissen basteln. Für den Kongress in Tampa hat ein Komitee auch die Forderungen energischer Abtreibungsgegner in die Leitlinien aufgenommen. Demnach soll der Parteitag dar­auf drängen, den Schutz menschlichen Lebens in der Verfassung zu verankern. Ein ungeborenes Kind, heisst es, habe ein fundamentales Recht auf Leben; dagegen dürfte nicht verstossen werden. Von Ausnahmen, die Abtreibungen gestatten, etwa nach einer Vergewaltigung, ist in dem Text nicht die Rede.

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