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RPK zweifelt, ob sich der Umbau rechnet

Die Liegenschaft Stube gehört der Gemeinde und steht seit mehr als zwei Jahren leer. Diese möchte mehr Rendite aus ihr herausholen – die RPK aber ist skeptisch.

Im ehemaligen Mar­tha­ler Wirtshaus zur Stube befindet sich der Gemeindesaal, in dem jeweils die Gemeindeversammlungen stattfinden – doch vielleicht nicht mehr lange. Der Gemeinderat möchte die gemeindeeigene Liegenschaft für sechs Zwei- bis Dreieinhalbzimmerwohnungen umbauen. Der hintere, nicht denkmalgeschützte Teil des Gebäudes würde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der äusserlich einer Scheune ähnelt. Über den Kredit in der Höhe von gut 2,5 Millionen Franken entscheidet der Souverän am 8. März an der Urne. Auch im Gebäude untergebracht wäre das heimatkundliche Archiv der Gemeinde Mar­tha­len. Die zu erwartenden Mieteinnahmen würden insgesamt rund 11 000 Franken betragen, mit denen das Bauprojekt finanziert werden sollte. Hohe Kosten durch Unterhalt «Die Finanzierung ist gesichert und verkraftbar», sagte Gemeindepräsidentin Barbara Nägeli letzte Woche an der Vorstellung des Projekts, die rund 100 Leute besuchten. Die Gemeindeversammlung hatte einst beschlossen, die Liegenschaft nicht zu verkaufen. Das ehemalige Wirtshaus steht seit mehr als zwei Jahren leer und verursacht hohe Kosten im Unterhalt. Den Nutzungsmöglichkeiten seien enge Grenzen gesetzt, und das Projekt folge dem Gebot der inneren Verdichtung, begründete Nägeli die Haltung des Gemeinderates weiter. Gemeinderat und Hochbauvorstand Matthias Stutz betonte, dass es in Mar­tha­len einen «ausgewiesenen Wohnraumbedarf für Jung und Alt» gebe. Der Markt sei «ausgetrocknet» – zurzeit stünden gerade mal drei Wohnungen leer im Dorf. Die optimistische Einschätzung des Gemeinderates teilt die Rechnungsprüfungskommission (RPK) allerdings nicht. Sie beantragt dem Mar­tha­ler Stimmvolk, das Umbauprojekt abzulehnen. Die Renditeberechnung sei «nur bei optimalen Bedingungen» erzielbar. Die Höhe der Mieten liege eher im oberen Bereich, findet die RPK, welche die Wirtschaftlichkeit des Projekts als «nicht genügend» beurteilt. Die Mieten seien zu hoch Die Befürchtung, dass Wohnungen mit Mieten bis 1800 Franken schwer zu vermieten sein könnten, teilten mehrere Zuhörer. Stutz entgegnete, dass diese marktgerecht seien und es nicht Sache der Gemeinde sei, Wohnungen zu subventionieren. Im Dorfzentrum zu wohnen, sei zwar verlockend, meinte eine Marthalerin, nur: «In dem Preissegment müsste bei allen Wohnungen ein Sitzplatz oder Balkon dazugehören.» Stutz versprach, dass er bei einem Ja zum Projekt für mehr Balkone und Sitzplätze kämpfen werde. Sie sei fast überzeugt, «dass ihr diese Wohnungen zu dem Preis nie voll vermieten werdet», sagte eine andere Votantin. Wieder ein anderer Votant fragte sich, ob es denn überhaupt die Aufgabe der Gemeinde sei, solche Investitionen zu tätigen. Zum Stolperstein für ein Ja an der Urne könnte ein zweites Bauprojekt werden, das letzte Woche ebenfalls vorgestellt wurde – wenn auch erst als Idee. Für geschätzte 2,5 Millionen Franken sollen in der Rösslischeune der neue Gemeindesaal sowie mehrere Hotelzimmer eingebaut werden, die wohl der nahe Gasthof Rössli betreiben würde. Auch wenn dieses Projekt nicht schon im März, sondern erst in drei, vier Jahren an die Urne kommt, sind die beiden Projekte miteinander verwoben: Wer Ja zum Stube-Umbau sagt, den neuen Gemeindesaal möchte, nicht aber die Hotelzimmer, der gerät womöglich in ein Dilemma. Markus Brupbacher

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