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Rücktritt wegen Anschuldigungen

Die Kindertagesstätte Unterstammheim befindet sich in einer misslichen finanziellen Lage. Der Präsident, dem die Verantwortung dafür gegeben wird, tritt zurück.

Urs Rüegger war Präsident der Kindertagesstätte (Kita) Stam­mertal. Und er ist Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK) von Unterstammheim. Einer, der sich in allen finanziellen Belangen bestens auskennt, möchte man meinen. Nun aber hat er die Kündigung bei der Tagesstätte eingereicht: Es wird ihm vorgeworfen, dass er ausgerechnet die Finanzplanung versäumt hat. «Das ist uns allen ein Rätsel», sagt Esther Rausa, die als Vizepräsidentin vorerst den Trägerverein leitet. «Er hat uns schwer enttäuscht.» Die Anschubfinanzierung des Bundes war bereits mitbudgetiert. «Wir haben zwar alles gemeinsam vorbereitet und die Antragsschreiben zusammen verfasst, auch hat er mir versichert, dass er diese abgeschickt hat.» Als er das Gremium nach langem Warten auf eine Rückmeldung noch immer vertröstete und versprach, sich der Sache anzunehmen und nachzuhaken, sind die Kollegen skeptisch geworden: «Wir haben in Bern angerufen. Dort wusste man nichts von einem Antrag aus Unterstammheim.» «Ich habe ihn abgeschickt», sagt derweil Urs Rüegger. Sein Fehler sei höchstens gewesen, dass er nicht hartnäckig genug nachgefragt habe. «Es gab allerdings auch viele Personalwechsel beim Bund, ich hatte mit ständig anderen Leuten zu tun.» Bundesbeitrag ist verloren Doppelt ärgerlich ist für alle Beteiligten, dass der Bund auch die nachgereichten Unterlagen nicht mehr berücksichtigen kann, ein entsprechender Antrag wurde abgelehnt. Die Darlehen der drei Stammertalgemeinden Unterstammheim, Oberstammheim und Waltalingen sind bereits gänzlich ausgeschöpft und können nicht zurückbezahlt werden. Eigentlich läuft es gerade richtig gut in der Kita Unterstammheim: Was im Sommer letzten Jahres mit sechs Kindern begann, ist heute zu einem lebhaften Betrieb herangewachsen – 27 Kinder, drei Angestellte und eine Praktikantin, hinzu kommen soll ein Lehrling. Rücktritt aus der RPK offen «Die Frauen engagieren sich vorbildlich für die Kita», sagt Beatrice Ammann, Gemeinderätin in Oberstammheim und Präsidentin der Jugendkommission Stam­mertal. Die Zusammenarbeit mit Rüegger sei meistens schwierig und begleitet von Unzuverlässigkeit gewesen. Versprochene Zahlen habe er nicht eingereicht, Termine nicht fristgerecht eingehalten. Für sie kommt dieser Fall dennoch überraschend: «Es übersteigt meine Vorstellungskraft, dass man sich einerseits so engagieren kann, Versprechungen abgibt und dann nicht die Grundregeln im Verkehr mit Amtsstellen einhält, die Termine. Und dies als Präsident der RPK.» Die drei Gemeinden werden den Betrieb der Kita vorerst sichern. Sie werden einen einmaligen Beitrag bis Ende Jahr leisten und sich ab 2015 am Defizit mit einem monatlichen Beitrag beteiligen. Wie hoch dieser ausfällt, ist derzeit noch unklar. Die jährlichen Mietkosten von 18 000 Franken werden der Kita erlassen. Urs Rüegger überlegt sich gemeinsam mit den Bezirksbehörden, ob ein Rücktritt als RPK-Präsident sinnvoll ist. «Ich kann mir im Sinne der Sache durchaus vorstellen, das Amt abzugeben.» Melanie Kollbrunner

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