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Runter vom hohen Ross

Die jüngste Wülflinger In­itia­ti­ve kommt aus dem dortigen Schloss. Kulinarik, Kunst und Geschichte(n) vereinen sich an diesem geschichtsträchtigen Ort zu einem attraktiven Angebot.

Das Schloss Wülflingen ist eigentlich gar kein Schloss, höchstens ein besseres Landhaus mit Garten und Ökonomiegebäuden. Dar­auf machte der junge Historiker Miguel Garcia anlässlich einer Medienführung aufmerksam. Einzig der Treppengiebel verrate noch die höheren Ambitionen der einstma­ligen Erbauer und Besitzer aus dem 17. Jahrhundert. Nun, im 21. Jahrhundert angelangt, hat sich ein Quartett zusammengefunden, das vom hohen Ross runtersteigen und nicht nur das historische Schloss der Bevölkerung näherbringen will, sondern neben bezahlbarer Kulinarik etwas teurere Kunst. «Wir wollen die Schwellenangst abbauen» sagte der bekannte Gerant und Wirt Hansruedi Bosshard zu seiner mehrdimensionalen Strategie. Sein offenes Gartenrestaurant und die moderaten Preise sind die einen Magnete, Kunst und Historie die anderen. Letztere werden abgedeckt durch die Kuratorin Maja von Meiss vom Kulturort Weiertal, die verwandtschaftlich mit den einstigen Herren im Schloss verbunden ist. Die Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin Lucia A. Cavegn und Miguel Garcia bieten zusammen mit einem Team private Führungen im Aussenraum und im Landhaus-Interieur mit seiner denkmalgeschützten Täfelung und Möblierung an. Vermögen verprasst Wenn Garcia durch die kleineren und grösseren Säle führt und ihre Funktionen, Ausstattungen und Wandmalereien (alle dank der Gottfried-Keller-Stiftung Anfang des letzten Jahrhunderts gerettet) erklärt, dann wird eine turbulente Vergangenheit aus dem Verlies des Vergessens befreit. An diesem Ort, wo heute sehr gesittet getafelt wird, wurden in der Feudalzeit Todesurteile gefällt, Vermögen angehäuft und in der nächsten Generation wieder verprasst. Spuren haben diese Geschichten in den Zürcher Novellen von Gottfried Keller hinterlassen. Heute sind die Gemäuer und das Land im Besitz der Stadt, die Innenausstattung gehört der oben genannten Stiftung. Skulpturen-Geschichten Auch die Kunstpräsentation im Umfeld vom Landhaus Wülflingen hat ihre Geschichte(n), ebenfalls eine von Höhen und Tiefen geprägte. 2009 wollte Maja von Meiss die Neoninstallationen vom Schweizer Künstler Christopher T. Hunziker den Wülflingern schmackhaft macht, doch die Einheimischen goutierten diese In­itia­ti­ve nicht. Als Bosshard das Restaurant übernahm, schockierte er umgekehrt die Kunstszene, indem er die Pseudokunst eines bekannten Winterthurer Duos im Garten aufstellte. Diese Geister hat von Meiss verscheucht und zwei Künstlerinnen und zwei Künstler aufgeboten, die vier höchst anregende Positionen verkörpern. Schrill und schräg die Karikaturen aus bemaltem Holz von Peter Leisinger, einem Satiriker, der mit der Kettensäge zu Werke geht und dabei so packend archaische Szenen wie mit der Wolfsmeute heraufbeschwört. Daneben strahlen die formal strengen Metallkonstruktionen von Altmeister James Licini eine wunderbare formale und materielle Würde aus. Seitlich vom Hauptbau sind die Arbeiten von zwei ursprünglich aus Luzern stammenden Bildhauerinnen Irma Bucher bzw. Sybille Pasche zu entdecken. So überdeutlich die Zeichnungen der Gesichter bei Leisinger, so berührend und momentan die Andeutungen von Physiognomie in den Steinporträts von Bucher. Als eine Hommage an die Schlossfrauen will von Meiss diese Skulpturen verstanden wissen. Wie Pasche die Marmoroberflächen sinnlich-spannungsvoll bearbeitet, einst selbstverständliche Tradition, muss heute bereits als Seltenheit gewürdigt werden. Die Ausstellung wird am 12. April um 18 Uhr eröffnet. Danach steht sie täglich während des Restaurantbetriebs Besuchern offen.

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