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Saab ist auf die Schweiz angewiesen

STOCKHOLM. Wenn die Verteidigungsministerin des neutralen Schweden die neutrale Schweiz besucht, dann ist das meist kaum der Rede wert. Anders in dieser Woche: Karin Enström (Bild), erst seit April im Amt, muss der Schweiz den Gripen schmackhaft machen. Dies gehört gar zu den wichtigsten Aufgaben der neuen Verteidigungsministerin. Unter ihrem Vorgänger Sten Tolgfors hatte Schweden den Zuschlag der Schweiz für das Kampfflugzeug des Flugzeugherstellers Saab erhalten. Tolgfors stolperte in der Zwischenzeit über den Skandal um den von ihm genehmigten Bau einer Waffenfabrik in der Diktatur Saudi-Arabien. Weshalb nun Enström den Gripen-Deal in trockene Tücher bringen muss.

Sie würde damit das Überleben der schwedischen Kampfflugzeugproduktion sichern. Denn Saab will den bisherigen Gripen weiterentwickeln – kann die Finanzierung alleine aber nicht sichern. Denn der schwedische Reichstag hatte beschlossen, die Herstellung von zehn Prototypen nur zu genehmigen, falls es Saab gelingt, einen Grossauftrag «mit Brasilien oder einem anderen Land» abzuschliessen. Sonst lohne sich das nicht. Mit Brasilien konnte man sich bislang nicht einigen. Deshalb sah es bis zum vorläufi- gen Schweizer Entschluss, die eigene Luftwaffe mit dem neuen Gripen nachzurüsten, düster aus für die Zukunft des Gripen.

Schweden, das wie die Schweiz nicht in der Nato ist, wird bei Ausschreibungen für Rüstungsgüter oft übergangen, obwohl der Gripen verhältnismässig preiswert und robust ist. Der Kaufentscheid der Schweiz war da sehr willkommen. Doch inzwischen ist der Kauf wieder in Frage gestellt – und dabei geht es auch um Geld. Die Schweden wollen sich die Entwicklungskosten gerne mit den Schweizern teilen und deuteten jüngst gar die Möglichkeit einer schweizerisch-schwedischen Zusammenarbeit im Kampfflugzeugmarkt mit dem Gripen an. Die Schweiz hingegen möchte das fertige Flugzeug kaufen, ohne die Entwicklung mitzufinanzieren. (aas)

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