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Sandsackaktion stösst nicht nur auf Begeisterung

Nach dem Hochwasser Mitte Juli führen Feuerwehr und Zivilschutz in Wiesendangen eine Verkaufsaktion für Sandsäcke durch. Die Meinungen sind geteilt.

Die Feuerwehr und der Zivilschutz haben sich in Wiesendangen eine Spezialaktion gegen Hochwasser ausgedacht: Sie werden am 12. September von 18.30 bis 20 Uhr rund 20 Kilogramm schwere Sandsäcke beim Feuerwehrlokal abgeben. Sie sind zum Selbstkostenpreis von neun Franken pro Stück erhältlich. Bewohner können ihren Bedarf bei der Verwaltung anmelden. «Die Idee ist, dass die Säcke so bei einem Ereignis schon vor Ort sind», sagt Gemeindeschreiber Hans-Peter Höhener. Weil Hochwasser schwer vorauszusagen sind, ist auch die Feuerwehr oft zu spät. So geschehen beim Unwetter Mitte Juli. Neben Rickenbach war auch Wiesendangen davon betroffen. Der Dorfbach trat über die Ufer und füllte diverse Keller. Auch die Gemeinde blieb nicht verschont: Die beiden Wohnungen im Bertschiker Rosenhof sind noch immer unbewohnbar, weil das Wasser den Hang hinunterkam und ins Haus eindrang. Die Reaktionen zur Sandsackaktion fallen geteilt aus. Zwar sind laut Höhener bereits ein paar Bestellungen eingegangen. «Daneben gibt es aber auch negative Rückmeldungen.» Einige Bewohner sind der Meinung, dass die Gemeinde die Sandsäcke gratis abgeben oder ein eigenes Lager erstellen müsste. Dem entgegnet Höhener, dass es sich um ein Naturereignis handle. «Wir verursachen dies ja nicht mutwillig.» Zudem sei es grundsätzlich Aufgabe des Eigentümers, Vorkehrungen zum Gebäudeschutz zu treffen.

«Besser als nichts»

Und was hält die Gebäudeversicherung Kanton Zürich (GVZ) von der Aktion? «Sandsäcke sind im Notfall sicher besser als nichts», sagt die Kommunikationsverantwortliche Kirstin Steyer. Dies trage zur Sensibilisierung bei. Allerdings nützen die Säcke nur etwas, wenn man genug schnell reagieren kann. Deshalb seien mobile Installationen nie so zuverlässig wie feste, sagt Steyer. «Ein guter Schutz vor Hochwasser ist individuell, kann aber oft mit einfachen Mitteln erreicht werden.» Die GVZ bietet kostenlose Beratungen an.Feste, bauliche Massnahmen haben den Gasthof Storchen in Wiesendangen vor grösseren Schäden bewahrt. Wirt Anton Pulfer hat etwa die Terrasse und den Schacht vom Luftschutzkeller angehoben und die Kellerrampe mit einem Brett gesichert. «Dadurch sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen.» Die GVZ unterstützt solche Massnahmen bei bestehenden Gebäuden, die in einer Gefahrenzone stehen. Sie übernimmt bis zu 30 Prozent der Kosten, wenn diese 2000 Franken übersteigen.

Gefahrenkarte kommt erst

Als Grundlage für einen zielgerichteten Hochwasserschutz dienen Gefahrenkarten. Der Kanton ist verpflichtet, diese zu erstellen. Sie zeigen auf, wo genau und in welchem Ausmass eine Überschwemmungsgefahr besteht. Für Wiesendagen gibt es allerdings erst einen Entwurf, weil der Gemeinde eine tiefere Priorität beigemessen wurde. «Obwohl wir mehrmals Druck gemacht haben», sagt Gemeindeschreiber Höhener. Sobald die Karte, die einige Stellen mit erheblicher Gefahr aufweisen wird, festgesetzt ist, wird die Gemeinde Ingenieure beauftragen, um allfällige Massnahmen an Gewässern oder Objekten zu überprüfen. Auch Rückhaltebecken standen in Wiesendangen schon zur Diskussion. Ob damit ein ein optimaler Schutz gewährleistet werden kann, ist bei Fachleuten aber umstritten.

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