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SBB fahren zunehmend auf Staatskosten

BERN. Erstmals haben die SBB mehr als eine Million Passagiere pro Tag befördert. Doch das Jahresergebnis 2013 bestätigt vor allem einen langfristigen Trend: Je mehr Personen und Güter die SBB befördern, desto stärker muss sie der Staat unterstützen.

Im gestern veröffentlichten Bericht der SBB über das Geschäftsjahr 2013 wimmelt es von Zahlen. Je nach Auswahl malen diese den Zustand der Schweizer Staatsbahn positiv oder negativ. Die positiven Ergebnisse stehen im Titel der Medienmitteilung: «Erstmals über eine Million Kunden pro Tag und schwarze Zahlen im Güterverkehr.» Tatsächlich hat die Zahl der Passagiere um 3,7 Prozent zugenommen, und der langjährige Verlust in der Sparte Güterverkehr wandelte sich 2013 in einen Gewinn von 14,7 Millionen Franken. Aussagekräftigere Zahlen aber trüben dieses rosige Bild.

Die Verkehrsleistung zum Beispiel, also die Zahl der Personen mal ihre gefahrenen Kilometer, stieg im Jahr 2013 lediglich um 1,3 Prozent ge­gen­über dem Vorjahr. Der Grund dafür: Die zunehmende Zahl an Passagieren fuhr im Durchschnitt weniger weit, weil der Anteil des Freizeitverkehrs über lange Distanzen schrumpfte. Die gleiche Tendenz zeigt sich auch im Güterverkehr bei mehr Fracht auf weniger Transportdistanz. Die Folgerung daraus: Die SBB konnten 2013 ihr wachsendes Angebot in den Jahren 2012 und 2013 weniger gut auslasten; ihre Verkehrsproduktivität ist also gesunken.

Gewinne sinken deutlich

Ernüchternd ist auch das finanzielle Ergebnis: Der Betriebsgewinn der SBB sank 2013 um 37 Prozent ge­gen­über dem Vorjahr. Der Konzerngewinn schmolz sogar um 44 Prozent auf noch 238 Millionen Franken. Im Vergleich dazu wird der Gewinn in der Gütersparte zum Klacks. Der Hauptgrund für den Einbruch ist der Betriebsaufwand. Er stieg um 4,3 Prozent und damit viel stärker als der Betriebsertrag (plus 1,8 Prozent).

Die Konzernleitung führt das einerseits auf die höheren Trasseepreise zurück, also auf die Gebühren für die Nutzung der vom Bund bezahlten Bahn­infrastruktur, die sich durch die höheren Tarife nur teilweise decken liessen. Andererseits stiegen die Kosten für den Unterhalt des stark belasteten Schweizer Schienennetzes. Den grössten Gewinnbeitrag ans Mobilitätsunternehmen SBB leistete 2012 die Sparte Immobilien mit 211 Millionen Franken.

Beiträge des Staates steigen

Die Buchhaltung der SBB ist ohnehin zu relativieren. Denn weit höher als der Konzerngewinn sind die Staatsbeiträge. Allein im Jahr 2013 summierten sich die «Leistungen der öffentlichen Hand» an die SBB auf rund 3,2 Milliarden Franken. Davon entfielen 2,2 Milliarden auf Infrastrukturkosten, welche die SBB mit ihren Trasseepreisen nicht decken, sowie auf Betriebsbeiträge an den Güter- und regionalen Personenverkehr. Eine weitere Milliarde zahlten Bund und Kantone in Form von Darlehen oder A-fonds-perdu-Beiträgen.

Unheimlich ist nicht nur die Höhe dieser Staatsbeiträge, sondern auch ihre Entwicklung: Von 2004 bis 2013, also in nur neun Jahren, wuchsen die jährlichen Staatsleistungen an die SBB um 64 Prozent. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum stieg die Verkehrsleistung im Personen- und Güterverkehr um 33 Prozent, während die Tarifeinnahmen nur um 30 Prozent zunahmen. Der Vergleich mit 2004 ist von Belang, weil damals «Bahn 2000» das Angebot und die Verkehrsleistung deutlich erhöhte. Das wirtschaftliche Resultat aber ist ernüchternd: Je stärker der Bahnverkehr wuchs, desto stärker wuchsen die Subventionen, mit denen der Staat die SBB stützen musste.

Wachsende Verschuldung

Die staatlichen Infrastruktur- und Betriebsbeiträge werden als Ertrag in der SBB-Erfolgsrechnung verbucht, die Darlehen hingegen als Fremdkapital (und mithin als Schulden) in der Bilanz. Im Jahr 2013 stieg das langfristige Fremdkapital in der SBB-Bilanz um weitere 5 Prozent auf total 22,1 Mil- liarden Franken. Um diese hohen Schulden auf ein erträgliches Mass zu reduzieren, reiche der 2013 erzielte Konzerngewinn von 238 Millionen Franken bei Weitem nicht aus, sagte SBB-Präsident Ulrich Gygi gestern vor den Medien, und er folgerte: «Wir brauchen eine höhere Ertragskraft.» Im Klartext heisst das: Die Steuerzahler oder die Bahnkunden müssen künftig noch mehr bezahlen.

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