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Schaad fand seine Eva in der Epa

Die beiden Winterthurer Felix Schaad und Claude Jaermann präsentierten ihren neuesten Comic-Sammelband, inklusive eigenen Eva-Soundtrack. Dabei sprachen die Autoren auch über lokale Einflüsse.

Wer den Zürcher «Tages-Anzeiger» regelmässig liest, kennt die Sorgen und Nöte von Supermarktkassiererin Eva Grdjic. Seit über zwölf Jahren prägt die Comic-Figur die Rückseite des Zürichbundes. Als Mischung von Working-Poor-Fabel und gesellschaftlicher Satire hat der Eva-Cartoon viele Fans und gilt mit seiner Langlebigkeit als Ausnahme in der deutschsprachigen Cartoon-Szene.Am Montag stellten die beiden Autoren Felix Schaad und Claude Jaermann den mittlerweile 14. Eva-Sammelband in der Alten Kaserne vor. «Kraterfrühstück» heisst die neueste Sammlung von Comic-Strips des letzten Jahres – Eva landet darin auf dem Mond und löst beinahe den von den Maya vorausgesagten Weltuntergang aus. Mit dabei ist auch Sanitärmonteur Kurt Zwicky, vielen Fans als Idealtypus des Schweizer Bünzlis bekannt. Der Band endet mit Evas Engagement für einen «Weltfrauenschreitag», der wegen der Lärmschutzverordnung nicht lauter als 70 Dezibel sein darf.

Songs über die Armut

Begleitet wurde die gut besuchte Vernissage vom Winterthurer Chor Vocabella. Die Liederzusammenstellung war ganz Eva gewidmet. Von «Fat Bottomed Girls» von Queen über Abbas «Money, Money, Money» bis hin zu «Ich wär’ so gerne Millionär» von den Prinzen orientierten sich die Sängerinnen und Sänger am Leiden der kämpferischen, aber stets vom finanziellen Ruin bedrohten Kassiererin. Der «Soundtrack» passte thematisch auch zur gleichzeitig stattfindenden Spar­debatte im Winterthurer Gemeinderat.

Inspiration aus Winterthur

Obwohl die Comic-Strips in Zürich erscheinen, ist das Eva-Universum eng mit Winterthur verknüpft. Sowohl Zeichner Felix Schaad, der vielen als Hauskarikaturist des «Tages-Anzeigers» bekannt ist, als auch der Texter, Journalist und Musiker Claude Jaermann wohnen hier. Im Gespräch erinnert sich Schaad an die Entstehung des Comic-Charakters mit der prä­gnan­ten Bürstenfrisur und dem holprigen Nachnamen: «Es gab nicht die eine ‹Eva Grdjic›, welche uns vor Jahren als Vorlage diente.» Vielmehr sei sie ein «Konglomerat» aus verschiedenen realen Personen. «Vorbilder fanden wir im damaligen Epa-Warenhaus am Hauptbahnhof oder im Giovanelli-Laden in der Marktgasse.» Bezüge gebe es auch zu Zürich, jedoch sehen die beiden Autoren die Kantonshauptstadt mehr als eine Art «Gotham City», als Reflexionsfläche, wo «geschichtentechnisch alles möglich ist». In Winterthur, bei der Mattenbach AG, wird auch der aktuelle Eva-Band gedruckt. Es ist bereits das 21. Buch aus dem Eigenverlag Sewicky. Mit einer gesamten Verkaufsauflage von mittlerweile mehr als 110?000 Exemplaren eine lokale Erfolgsgeschichte, welche laut den Autoren auch viel mit der Vermarktung durch den Comic-Laden Zappa Doing und der Mithilfe der Grafikerin Monique Stadler, der Partnerin von Felix Schaad, zu tun hat. Die Ideen für den täglich erscheinenden Cartoon finden Jaermann und Schaad sowohl in der allernächsten Umgebung als auch in der nationalen und internationalen Politikberichterstattung. Sorgen, dass ihnen der Stoff einmal ausgehen könnte, haben sie deshalb nicht. «Eva wird wohl noch zehn Jahre weiterleben», meint Jaermann. «Maximal, dann nämlich werde ich pensioniert.»

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