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Schach-Genie Karpow verteidigt Putins Ukraine-Politik

Als Duma-Abgeordneter politisiert der frühere Schachweltmeister Anatoli Karpow auf der Linie des Kreml. Im Gespräch rechtfertigt er die Aufnahme der ukrainischen Krim durch Russland.

Seit 2011 sitzt Anatoli Karpow für die von Präsident Wladimir Putin gegründete Bewegung «Gesamtrussische Nationale Front» in der Staatsduma, der ersten Kammer des russischen Parlaments. Als stellvertretender Vorsitzender des Parlamentskomitees für Wirtschaftspolitik und Innovationsförderung will er vor allem die Wirtschaft ankurbeln, indem die Investitionen von Unternehmen aus dem In- und Ausland gefördert werden. Obwohl die Krise zwischen der Ukraine und Russland der russischen Wirtschaft massiv schadet, steht er hinter der Politik Putins. Die Situation in der Ukraine sei auch schlecht für Europa, sagt der ehemalige Schachweltmeister. «Wenn wir nicht gemeinsam eine Lösung finden, wird der Gaspreis in Europa beträchtlich steigen.» Das heisse aber nicht, dass Russland den Gashahn zudrehen wolle. Russland werde weiterhin die mit Europa vereinbarte Gasmenge einspeisen. Eine der wichtigsten Pipelines führe aber durch ukrainisches Territorium. Wenn das Gas nicht ankomme, dann habe es die Ukraine entwendet. Und dies sei allein das Problem der Europäer.

Kein Zusammenhang mit Krim

Dass Russland kein Gas mehr an die Ukraine liefere, sei keine politische Entscheidung gewesen. Vielmehr weigere sich das Land, die Schulden für bezogenes Gas zu bezahlen. Mit der Halbinsel Krim habe das nichts zu tun. Das ukrainische Parlament habe die russische Sprache verbieten wollen. Das habe die Proteste im Süden und im Osten der Ukraine, wo Russisch die dominierende Sprache sei, ausgelöst. Dass es nicht um ein Verbot des Russischen, sondern um die Aberkennung von dessen Status als offizieller Regionalsprache ging, verschweigt Karpow. Es gebe auch historische Gründe für die Integration der Krim in Russland, über welche die westlichen Medien nicht berichtet hätten. Die Krim sei 1792 in einer Friedensvereinbarung vom Osmanischen Reich an das russische Reich abgetreten worden. Zudem stellten die Russen noch immer die Bevölkerungsmehrheit auf der Krim. Weil sie Probleme mit Kiew befürchteten, hätten sie sich für den Beitritt zu Russland ausgesprochen. Hätten sie dies nicht getan, wäre die Situation auf der Krim viel brutaler als jene in der Ostukraine.

Eindeutiges Referendum

Auf die Frage, weshalb Russland, das Änderungen von internationalen Grenzen prinzipiell ablehne, bei der Krim eine Ausnahme gemacht habe, erklärt Karpow: «Das Resultat des Referendums war eindeutig. Die Russen auf der Krim wollten zu Russland. Hätten wir der Aufnahme nicht zugestimmt, wären jetzt zweifellos die USA auf der Krim.» Russland habe immer gesagt, dass es einen Korridor neutraler Staaten zwischen der Nato und Russland brauche. Trotzdem seien die osteuropäischen Staaten vom Baltikum bis nach Bulgarien Nato-Mitglied geworden. Die Ukraine wäre als Nächstes gekommen. Dass unabhängige Staaten eigene Entscheidungen treffen, scheint der Duma-Abgeordnete nicht wahrhaben zu wollen. In den USA sieht er noch immer eine Bedrohung für Russland. Wie schon als Schachspieler zu Sowjetzeiten liegt Karpow auch als Politiker auf der Linie des Kreml.

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