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Scharfschützen und ein Jubel-Erlass

Ab heute hat Spanien einen neuen König: Thronfolger Felipe wird mit 46 Jahren Europas jüngster König. Bei der heutigen Zeremonie läuft die spanische Polizei mit einem Rekordaufgebot auf.

Die spanische Nation wacht heute mit einem neuen König auf. Von Mitternacht an, wenn die Abdankung Juan Carlos I. in Kraft tritt, ist Thronfolger Felipe automatisch Spaniens neuer König und Staatschef. Auch wenn die offizielle Proklamation im Parlament erst heute Vormittag stattfindet. Für die Zeremonie in der Hauptstadt Madrid wurden, wegen der Angst vor gewaltsamen Protesten und Terroranschlägen, die grössten Sicherheitsvorkehrungen seit Jahren getroffen. Mehr als 7000 Polizisten sollen dafür sorgen, dass dieser Wechsel an der Spitze des Königshauses ohne Zwischenfälle abläuft: Rund um das Parlament, wo Felipe VI. seinen Eid ablegen wird, wurden Scharfschützen postiert. Genauso wie in der Umgebung des historischen Königspalastes, in dem Felipe und seine zur Königin aufrückende Frau Letizia (41) mittags auf den Balkon treten werden, um dem Volk zuzuwinken.

100000 Fähnchen verteilt

Mangels grösserer Königseuphorie auf den Strassen rief Madrids Bürgermeisterin Ana Botella per Erlass das Volk auf, die Strassen der Hauptstadt doch bitte «als patriotischen Beweis» mit Jubel und mit Spanien-Flaggen zu füllen. «Ich ermuntere euch, im Namen ganz Spaniens unseren neuen Königen eure totale Unterstützung zu zeigen.» Sicherheitshalber liess Botella an die Einwohner 100000 Fähnchen verteilen. Öffentliche Gebäude und Laternen in der City wurden mit weissen Blumengestecken und rot-gelb-roten Bannern dekoriert.

WM interessiert mehr

Die Hauptstadtbewohner sahen dem königlichen Machtwechsel am Vortag eher gelassen entgegen. «Auch unter Felipe wird sich nicht viel ändern», meint ein Kioskbesitzer mittleren Alters in der Innenstadt. «Der König hat ja sowieso keine politischen Kompetenzen.» An seiner Ladentheke wird eher über die Fussball-WM diskutiert – und über das am seidenen Faden hängende Schicksal der spanischen Nationalmannschaft. Nebenan, im Schaufenster eines Souvenirshops, warten Schlüsselanhänger und Teller mit dem Bildnis von Felipe und Letizia auf Käufer.

An Ansehen verloren

Das Königshaus, das früher einmal die angesehenste Institution der Nation war, hat in den letzten Jahren, in denen es vor allem durch Skandale Schlagzeilen machte, viel Ansehen verloren. Die Rufe nach einem demokratisch gewählten Staatsoberhaupt werden in Spanien immer lauter. Dies beschleunigte den Abtritt des 76-jährigen Juan Carlos. Er nahm gestern Nachmittag – nach fast 39 Jahren auf dem Thron – seine letzte Amtshandlung vor und unterzeichnete jenes Gesetz, mit dem das Parlament seine Abdankung gebilligt hatte. Felipe – mit seinen 46 Jahren übrigens der jüngste König Europas – tritt derweil als Krisenkönig seinen Dienst an: Seine grösste Herausforderung wird sein, durch beispielhaftes Benehmen, Bürgernähe und Bescheidenheit das Volk für sich zu gewinnen. Und so das Königshaus aus dem bedrohlichen Umfragetief zu ziehen. Auch wenn Felipe inzwischen sehr viel beliebter ist als sein Vater: Meinungsumfragen zufolge steht derzeit nur noch etwa die Hälfte der Spanier hinter der Monarchie. Juan Carlos und seine weitgehend getrennt von ihm lebende Frau Sofía (75) behalten übrigens auch im Ruhestand ihren Titel als König und Königin. Obwohl sie protokollarisch absteigen: Sie stehen künftig in der Rangfolge hinter Felipe und Letizia und auch noch hinter deren Nachkommen, Kronprinzessin Leonor (8) sowie Prinzessin Sofía (7).

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