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Schichtartige Überlegungen

Das Zen­trum Obertor zeigt die tiefgründigen Zeichnungen von Thomas Hannibal. Seine architektonischen Reflexionen sind Utopien einer Welt, in der man nicht nur funktional baut.

Vierundzwanzig Bilder hat Thomas Hannibal aus «unendlich vielen Blättern» ausgewählt. Sie hängen unkommentiert im Untergeschoss des Zen­trums Obertor und der Besucher sollte Zeit mitbringen, um sich auf sie einzulassen. «Mindestens so viel Zeit, wie ich gebraucht habe, um sie zu malen», sagt Hannibal schelmisch. Seine Augen leuchten, wenn er von den architektonischen Projekten spricht, die diese Zeichnungen inspiriert haben.

Er zeichne ständig und undiszipliniert. Schicht über Schicht lagert er Ölfarbe, Wachskreide, in Terpentin gelösten Bleistift übereinander. Viele der archaisch anmutenden Objekte könnte man bauen – aber wozu? Der Künstler hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Er vermisst die Schönheit in der heutigen Architektur, auf die – er zitiert Donald Judd – jeder Mensch ein Anrecht hätte. Anstelle des Renderings mittels CAD-Programmen sollte man wieder fussläufig erarbeiten, wie sich ein Körper gliedert oder wie Fensteröffnungen entstehen. Seine Zeichnungen nennt er eine «Denkmethode» dazu.

A4 war praktisch

Das Format A4 wählte der frühere Architekturdozent pragmatisch, als er lange Strecken zwischen der Universität Dortmund und Zürich per Bahn pendeln musste. Auf Karopapier, Millimeterpapier oder grobem Recyclingblock entstehen seine verdichteten Skizzen. Das Objekt auf Blau liege im Wasser, sagt er. Es scheint zweckfrei verwinkelt der Kontemplation zu dienen. Ein Kubus in Rot ist mit «Für ein Buch» betitelt. Das Buch sind zwei Schriftrollen, die wie eine Thora aufbewahrt werden. Rot steht für Hannibal für die Konstruktivisten und die russische Revolution. Die typische signalrote Gestaltung hat sich ihm eingebrannt.

Überhaupt sind die intensiven Farben der Aspekt, der seine Arbeit von fantasievollen Architekturzeichnungen abhebt. Die Farbgebung erfolgt spontan und intuitiv, kann aber nochmals abgeändert werden, um dem Bild eine andere Richtung zu geben. Eine weitere Lage trägt er beispielsweise mit der Konturentusche der Mangazeichner auf, wenn das Bild noch nicht kompliziert genug ist.

«Zwei kleine Häuser» heisst die Komposition, die vom mittelalterlichen Maler Uccello angeregt ist. Eines seiner Gebäude steht, erweitert um eine Auskragung, unter dem italienischen Mond. Eine kindliche Gestalt sitzt davor und betrachtet ein Modell. «Es überlegt sich schon, wie es später leben will», kommentiert Hannibal das Werk.

Ausstellung Thomas Hannibal

Zentrum Obertor, Obertor 8, bis 9. April, werktags 8–22 Uhr. Thomas Hannibal spricht über «Die Urzeichnung», Reflexionen über den preussischen Baumeister Friedrich Gilly, am 28. Februar, 20 Uhr, im Siebundbrot, Neugasse 145b, Zürich.

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